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Schlecht geplant

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Von: Rolf D. Häßler

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Die EU verpflichtet Unternehmen, ihre Berichterstattung über klima- und andere nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten auszubauen. Diese Informationen sind wichtig für die Finanzbranche bei der Kreditvergabe. Doch die Datenbank, in der diese Informationen zentral abrufbar sein sollen, geht erst 2026 an den Start.

Eine der wichtigsten Ressourcen für die Umsetzung der zahlreichen regulatorischen Anforderungen an die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien am Finanzmarkt sind Daten über die entsprechenden Aktivitäten der Unternehmen. Denn: Wenn Banken oder Vermögensverwalter die Klimastrategie eines Unternehmens oder die Taxonomiekonformität seiner Produkte bei der Kredit- oder Anlageentscheidung berücksichtigen sollen (oder wollen), benötigen sie entsprechende Informationen – und dies am besten aus erster Hand.

Insofern ist es richtig und wichtig, dass Unternehmen beispielsweise mit der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) dazu verpflichtet werden, ihre Berichterstattung über klima- und andere nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten deutlich auszubauen. Gleichzeitig wird der Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen deutlich erweitert und umfasst europaweit rund 50 000 Unternehmen, davon allein etwa 15000 aus Deutschland.

Um den Banken und Vermögensverwaltern den Umgang mit diesen umfangreichen Datenmengen zu erleichtern, plant die EU eine große zentrale Datenbank mit dem Namen „European Single Access Point“ (ESAP). Berichtspflichtige Unternehmen sollen ihre Daten dorthin übertragen, sodass dann beispielsweise die Banken darauf zugreifen können. Durch die zentralisierte Bereitstellung der Informationen unter Beachtung einer vorgegebenen Struktur soll der Rechercheaufwand der Finanzmarktakteure deutlich gesenkt werden.

So weit, so gut. Leider zeigt sich nun, dass der ESAP-Zugang wohl erst ab 2026 schrittweise eingeführt werden kann. Während also die Anforderungen an den Finanzmarkt zur Berücksichtigung von Klima- und anderen Nachhaltigkeitsaspekten bereits greifen, können die dafür erforderlichen Informationen erst in drei Jahren in einer für den Finanzmarkt effizienten Form abgerufen werden. Einmal mehr zeigt sich hier, dass die nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen der EU-Kommission nicht wirklich ineinandergreifen und häufig Schnelligkeit vor Sorgfalt geht.

Es hilft dem Klima, dem Artenschutz und anderen dringenden nachhaltigkeitsrelevanten Themen nicht, wenn Investitions- und Finanzierungsentscheidungen auf der Basis unzureichender oder nur schlecht recherchier- und auswertbarer Informationen getroffen werden.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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