1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Saisonkräfte schützen!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Anja Piel

Kommentare

Bis zur Erdbeerzeit, dauert es noch etwas. Doch die Spargelsaison könnte bereits im März starten.
Bis zur Erdbeerzeit, dauert es noch etwas. Doch die Spargelsaison könnte bereits im März starten. © Sebastian Kahnert/dpa

Die Erntezeit beginnt bald, die Koalition muss handeln. Die Rechte der Erntehelferinnen und -helfer dürfen nicht erneut ausgehöhlt werden. Die Gastwirtschaft.

Während die diesjährige Messe der Agrarindustrie ‚Grüne Woche‘ abgesagt wurde, fällt die Erntesaison nicht aus. Je nach Wetterlage startet die Spargelsaison im März – das dritte Jahr in Folge unter Corona-Bedingungen. Es bleibt also nicht viel Zeit für die Ampel, Versprechen für bessere Bedingungen in der Landwirtschaft einzulösen.

In den vorangegangenen Jahren hatte CDU-Ministerin Klöckner die sozialversicherungsfreie Zeit für Beschäftigte in der Erntehilfe von 70 auf über 100 Tage ausgeweitet. Was eigentlich Ausnahme für Ferienjobs sein sollte, bedeutete für hunderttausende Saisonarbeitskräfte: fünf Monate Schwerstarbeit ohne soziale Sicherheit, Rentenansprüche und bei vielen – trotz Pandemie – auch ohne Krankenversicherung.

Ihre sozialpolitische Bankrotterklärung begründete Klöckner fadenscheinig mit Infektionsschutz; Man wolle mit längerem Arbeitsaufenthalt Wechsel unter den Helfern vermeiden. Dass Erntehelferinnen und -helfer natürlich auch dann länger als 70 Tage bleiben können, wenn sie vom ersten Tag an sozialversichert arbeiten, ignorierte Klöckner. Mit der Regelung erteilte sie wiederholt den Freifahrtschein, bei der Saisonarbeit Rechte der Beschäftigten zu missachten und den Mindestlohn über Lohnabzüge, Akkordarbeit und falsche Arbeitszeiterfassung auszuhöhlen.

Berater und Gewerkschaften erreichten mitten in der Pandemie Berichte über volle Unterkünfte mit niedrigstem Standard, mangelhaften Hygieneschutz in Sammeltransporten und bei der Arbeit. Trauriger Tiefpunkt: die Arbeitsquarantäne – Arbeiten ging trotz Corona, das Betriebsgelände durften die Beschäftigten aber nicht mehr verlassen.

Der Koalitionsvertrag der Ampel sichert Krankenversicherungsschutz ab dem ersten Tag zu. Dieses Versprechen muss auf eine umfassende soziale Sicherung ausgedehnt werden. Keinesfalls darf es erneut zu einer Ausweitung der sozialversicherungsfreien Zeit kommen. Schlechte Löhne, Mindestlohnbetrug, weniger Sozialschutz und niedrige Arbeitsstandards müssen gerade für kurzfristige Beschäftigung vermieden werden. Saisonarbeitskräfte sind besonders schutzbedürftig. Sie kommen oft ohne deutsche Sprachkenntnisse und sind stark von ihren Arbeitgebern abhängig – abgeschottet von der übrigen Gesellschaft. Der Schutz unseres Rechts- und Sozialstaates muss gerade für sie gelten.

Die Autorin ist Mitglied im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand .

Auch interessant

Kommentare