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Malaysia wehrt sich inzwischen gegen die Müllberge, die aus Europa kommen - 130.000 Tonnen waren es allein 2018.

Gastwirtschaft

In den Sack, aus dem Sinn: Deutschland exportiert zu viel Plastikmüll

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Zwei Millionen Tonnen Kunststoff-Verpackungen im gelben Sack, die vermutlich künftig nach Afrika exportiert werden, sind zu viel! Da darf ein Vorschlag, der viele schwer schlucken lässt, nicht tabu sein. Die Wirtschaftskolumne.

Meine Nachbarin wäscht Sahnebecher und Maiskörner-Dosen aus, bevor sie im gelben Sack verschwinden. Sie denke damit auch an die armen Leute, die diesen Müll sortieren müssen, meint sie. Und sie empört sich zurecht, dass ihre deutschen Joghurtbecher immer öfter auf asiatischen wilden Müllkippen zu finden sind: „Dafür habe ich die nicht ausgespült!“.

Doch ausgespült oder nicht – der Müll, der gar nicht erst anfällt, ist der beste. Der Inhalt eines normalen gelben Sacks mit Fleischverpackungen, Safttüten, Blechdosen, Aludeckeln und viel Gammel ist nicht der Renner auf dem Recyclingmarkt. Mit solchen Mischungen kann niemand etwas anfangen. Und trotzdem gehen die meisten Deutschen davon aus, dass sich die Mühe des Sortierens lohnt, weil der Müll recycelt wird.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Lisa Reichmann,  Teamleiterin bei Campact.

Deutschland gilt als Musterland bei Mülltrennung und Recycling – und ist gleichzeitig der drittgrößte Plastikmüll-Exporteur der Welt (nach Japan und den USA). Jedes Jahr werden rund eine Million Tonnen deutschen Plastikmülls ins Ausland exportiert, davon im Jahr 2018 alleine 130.000 Tonnen nach Malaysia. Das meiste sind nicht „gemischte“ gelbe Säcke, sondern oft große Kunststoffreste aus Gewerbe und Industrie, aber immerhin zehn Prozent stammen aus den Haushalten.

Weil nach China auch Malaysia und andere südostasiatische Länder den Müllimport gestoppt haben oder stoppen wollen, suchen sich die Müll-Exporteure neue Abnehmerländer, in Zukunft wahrscheinlich vermehrt in Afrika. Das sind keine guten Nachrichten für Menschen und für die Umwelt. Plastikteilchen im Meer, im Eis der Arktis, an den Stränden der Welt: Unsere Plastikflut ist Teil des Problems. Es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten, Verpackungen ganz zu vermeiden – Sahne im Glas, loses Obst im Stoffnetz. Doch insgesamt werden im dualen System in Deutschland jährlich zwei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen gesammelt. Das ist zu viel!

Lisa Reichmann

Da darf auch ein Vorschlag kein Tabu sein, der viele schwer schlucken lässt: Was wir nicht vermeiden können, müssen wir in deutschen Müllverbrennungsanlagen entsorgen, statt es auf wilde Deponien im globalen Süden zu exportieren. Wer nicht will, dass die Abfallreste im malaysischen Walhai landen, der darf den Müll entweder nicht entstehen lassen. Oder nur durch den Schornstein der Müllverbrennung schicken, aber nicht auf die lange Reise nach Asien oder Afrika.

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