Schattenbanken unterliegen keiner Aufsicht – das muss sich ändern.
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Schattenbanken unterliegen keiner Aufsicht – das muss sich ändern.

Gastwirtschaft

Risiken im Schatten

  • Rainer Voss
    vonRainer Voss
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Hedgefonds und große Vermögensverwalter müssen dringend besser überwacht werden.

Seit nun etwa zehn Jahren ist es das Bestreben der Finanzmarktarchitekten, von einer bankenbasierten zu einer marktbasierten Funktionsweise der Kreditversorgung zu kommen, um so das System widerstandsfähiger zu machen. Bankenbasierte Krisen haben ihren Ursprung meist in faulen Krediten und sind durch Zentralbanken nur schwer zu bekämpfen. In einem marktbasierten System ist der Auslöser aber meist ein Mangel an Marktliquidität, der wesentlich einfacher mit monetären Instrumenten zu adressieren ist.

Dies führte zum kometenhaften Aufstieg der Schattenbanken. Diese betreiben Bankgeschäfte ohne einer Aufsicht zu unterliegen, denn da sie keine Einlagen von Kunden entgegennehmen, gelten sie nicht als regulierungswürdig. Es handelt sich dabei vor allem um Hedgefonds oder große Vermögensverwalter.

Da diese im Gegensatz zu Banken kein eigenes Geld schaffen können, finanzieren sie sich kurzfristig über die Geldmärkte, um dann dieses Geld in langfristige Kredite zu investieren. Dabei werden Wertpapiere als Sicherheit für die aufgenommenen Kredite hinterlegt.

Für das reibungslose Funktionieren dieses Systems ist Voraussetzung, dass jederzeit ein Handel in eben diesen Wertpapieren möglich ist. Ist dies nicht der Fall, besteht die Gefahr einer „Todesspirale“, wenn Marktteilnehmer verkaufen müssen, weshalb die Preise fallen, woraufhin dann weitere Verkäufe ausgelöst werden und so weiter. Genau dies ist in diesem Frühjahr passiert und nur das beherzte Eingreifen der Zentralbanken zur Stabilisierung der Märkte konnte Schlimmeres verhindern.

Es ist klar, dass wir es hier ein weiteres Mal mit dem Phänomen der Vergesellschaftung von privaten Verlusten zu tun haben, das schon in der Vergangenheit große politische Diskussionen ausgelöst hat. Konnte man damals noch mit der Bedeutung des Bankensystems für die Gesamtwirtschaft argumentieren, fällt dies mit Blick auf die Akteure im Schattenbankensystem schwer. Eine Situation, in der sich eine unregulierte Kreditvergabe entwickelt, deren Risiken im Krisenfall über die Bereitstellung von Marktliquidität auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, ist nicht mehr zu vermitteln.

Eine Erweiterung der Aufsichtsbefugnis auf die Schattenbanken ist daher dringend geboten.

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilmes „Master of the Universe“.

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