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Revolution im Management?

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Von: Marcel Schütz

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Was in einem Unternehmen klappt, funktioniert im nächsten nicht unbedingt.
Was in einem Unternehmen klappt, funktioniert im nächsten nicht unbedingt. © Imago

Den „one best way“ gibt es nicht - die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Marcel Schütz.

In der Wirtschaftswelt sind ständig neue Ideen in Umlauf, wie man ein Unternehmen zeitgemäß führt. Ob „Arbeit 4.0“, „Agilität“, „Holacracy“ und „Purpose“ – selbst für Managementforscherinnen und -forscher ist es schwer, im Dschungel der Schlagworte den Überblick zu behalten.

Welches Prinzip der Steuerung auch favorisiert und idealisiert werden mag – früher oder später haben alle Konzepte ihren Höhepunkt erreicht, werden durch neue abgelöst oder variiert. Typisch für viele Managementkonzepte ist ihr Hang zur Übertreibung.

Woran erkennt man das?

Erstens am Verabsolutieren des Konzepts auf die ganze Organisation. Organisationen sind aber mit guten Gründen differenziert aufgebaut. Verschiedene Aufgaben gehen mit diversen Arbeitsweisen einher – lokale Rationalität. Klar, das provoziert auch Tunnelblick. Aber die völlige Umgestaltung der Organisation nach einem bestimmten auserkorenen Prinzip widerspricht deren Funktion.

Zweitens an der Radikalität der Gründe. Wenn vom Wandel der Welt und einer revolutionären Herangehensweise die Rede ist, wird es schnell dramatisch. Natürlich gibt es große technologische Veränderungen, aber bis zur Revolution aller Organisationen ist es ein weiter Sprung.

Drittens ist der Hang zur Übertreibung am bestechenden Beispiel zu erkennen. Bestimmte Firmen werden als Vorreiter identifiziert, von denen eigentlich alles zu lernen ist. Doch was in einem bestimmten Organisationstyp klappt, muss anderswo nicht ebenso gelten. Erfolg spricht sich jedoch rasch rum und man möchte Teil davon werden.

Muss man die Idealisierung von Managementkonzepten völlig ablehnen? Nein. Organisationsklug ist es, sie als Anstoß für Veränderungen zu begreifen und für eigene Zwecke anzupassen. Oft heißt das: zu zeigen, dass man mitspielt und weiß, was gerade en vogue ist.

Letztlich gilt aber wie immer im Leben: bunter Methodenmix ist an sich der Normalfall, nicht das Defizit.

Das erscheint vielen inkonsequent und unbefriedigend. Und eben daraus erklären sich Universalkonzepte, die den „one best way“ gefunden haben wollen.

Dem zu misstrauen, macht Kompetenz im Management aus.

Der Autor ist Professor für Organisation und Management an der Northern Business School Hamburg.

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