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Gesundheitsminister Jens Spahn.
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Gesundheitsminister Jens Spahn.

Gesundheitsversorgung

Reißt die Mauern ein!

  • Hartmut Reiners
    VonHartmut Reiners
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Es wird höchste Zeit, diese von Wissenschaftlern seit Jahrzehnten kritisierte Segmentierung unseres Gesundheitswesens zu überwinden.

Die Debatte über Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist von Schuldzuweisungen und Expertenstreit geprägt. Angela Merkel und Jens Spahn beklagen die Untätigkeit von Ländern und bedienen mit der umstrittenen Novellierung des Infektionsschutzgesetzes die Sehnsucht zahlreicher Deutscher nach der starken Hand und der Maxime „Hauptsache einheitlich“. Über die Effektivität der beschlossenen Regeln streiten sich Aerosolforscher mit Virologen, diese wiederum mit Soziologen und Psychologen, die vor sozialen Kollateralschäden warnen.

Das eigentliche Problem ist aber nicht der Streit unter Politikern und Experten über die zu ergreifenden Maßnahmen. Der ist bei einem so vielschichtigen Problem wie der Corona-Pandemie kaum zu vermeiden. Aber weshalb sind die Impfkampagnen in Ländern wie Chile oder Großbritannien effektiver als bei uns, obwohl deren medizinische Einrichtungen deutlich schlechter ausgestattet sind? Die Antwort: Diese Länder haben ein System der Primärversorgung mit kommunalen Gesundheitszentren. Vergleichbare Einrichtungen gibt es in Deutschland nicht.

Unser Gesundheitswesen ist ein System der organisierten Verantwortungslosigkeit. Der öffentliche Gesundheitsdienst hat keine Kompetenzen etwa in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen, wo die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte das Behandlungsmonopol haben. Auch zwischen diesen und den Krankenhäusern gibt es keine systematische Kooperation. Die Zulassung von Kassenarztpraxen ist Sache der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen. Für die stationäre Versorgung sind die Länder zuständig.

Eine integrierte Planung und Sicherstellung der medizinischen Versorgung gibt es ebenso wenig wie eine klare Verantwortung für die Prävention und Gesundheitsförderung.

Es wird höchste Zeit, diese von Gesundheitswissenschaftlern seit Jahrzehnten kritisierte Segmentierung unseres Gesundheitswesens zu überwinden. Die Programme der Parteien sollten bei der kommenden Bundestagswahl daran gemessen werden, welchen Beitrag sie zur kooperativen Gestaltung unseres Gesundheitswesens und zum Einreißen der Mauern zwischen den Versorgungsbereichen leisten. Von Gesundheitsminister Spahn hat man dazu noch nichts vernommen.

Der Autor ist Ökonom und Publizist. Er war Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium.

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