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Leistet das Angebot eines vegetarischen Gerichts in in der Kantine tatsächlich einen spürbaren Beitrag zum Schutz der Biodiversität?

Gastwirtschaft

Im Regenbogen reingewaschen

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Unternehmen brauchen mehr Kontrolle, wenn sie sich die „Sustainable Development Goals“ auf die Fahne schreiben.

Neben dem Pariser Weltklimaabkommen hat sich die Staatengemeinschaft 2015 auf ein zweites wegweisendes Abkommen verständigt: die Agenda 2030 für eine globale nachhaltige Entwicklung. Herzstück dieser Agenda ist ein Katalog von 17 Haupt- und 169 Unterzielen für eine nachhaltige Entwicklung – die Sustainable Development Goals (SDGs).

Rolf Häßler

Obwohl als Roadmap für Staaten konzipiert, nutzen auch immer mehr Unternehmen die SDGs als Referenz für ihre nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen. Im Rahmen eines „SDG-Mappings“ stellen sie eine Verknüpfung zwischen ihren Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz oder im Umgang mit dem Personal mit einzelnen der 17 Ziele her. Nicht selten steht dahinter auch der Wunsch, den eigenen Aktivitäten etwas mehr Glanz zu verleihen.

Während dies etwa bei Fortschritten beim Energieverbrauch von Produktionsprozessen und Produkten – SDG-Ziel 13: Klimaschutz – oder bei der Zahlung existenzsichernder Löhne in den Ländern des globalen Südens – SDG-Ziel 1: Armut beenden – noch gut nachvollziehbar ist, fällt eine solche Zuordnung bei anderen Mappings schon schwerer. Ob nun im Sinne der SDGs das Angebot eines vegetarischen Gerichts in der Kantine einen spürbaren Beitrag zum Schutz der Biodiversität leistet oder das Sponsoring von Firmenläufen ein gesundes Leben fördert, ist zumindest zu hinterfragen.

Nichtregierungsorganisationen stößt diese unreflektierte Bezugnahme auf die SDGs durch die Unternehmen inzwischen so sauer auf, dass hier – in Anlehnung an die farbenfrohe Gestaltung der Kommunikation der SDGs und den bereits etablierten Begriff des „Green Washing“ – von „Rainbow Washing“ gesprochen wird. Vereinzelt ist sogar von einem „Kidnapping“ der SDGs durch die Wirtschaft die Rede.

Was wir brauchen, sind verbindliche Standards für die Nutzung der SDGs als Referenz für Aktivitäten der Unternehmen – gerade dann, wenn diese zur Reputations- und Verkaufsförderung genutzt werden. Dazu müssen Banalitätsgrenzen gesetzt und klare Regeln definiert werden, unter welchen Bedingungen sich die Unternehmen auf die SDGs beziehen dürfen. Dazu muss es aber vor allem eine unabhängige Prüfung der Maßnahmen der Unternehmen geben, die für sich in Anspruch nehmen, eine globale nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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