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Er heißt Quantum System One und mag es kalt: Auf minus 273 Grad wird der Quantencomputer in Ehningen gekühlt.
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Er heißt Quantum System One und mag es kalt: Auf minus 273 Grad wird der Quantencomputer in Ehningen gekühlt.

Technik

Quantencomputing: Viel Rauch, kaum Fakten

  • Stephanie Borgert
    VonStephanie Borgert
    schließen

Das Quantencomputing wird überschätzt, es ist aufwendig und störanfällig. Die Gastwirtschaft.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesvorsitzender der CDU und Kanzlerkandidat, betrachtet bei seinem Besuch in der Deutschland-Zentrale von IBM einen Quantum System One Quantencomputer von IBM.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnet ihn bei der Einweihungsfeier als „Wunderwerk der Technologie“: den ersten „IBM Quantum System One“ in Europa. Die Presse schreibt über Deutschlands Führungsanspruch in diesem Forschungsbereich, über die unglaublichen Möglichkeiten für Medizin oder Logistik und über das gewaltige Innovationspotenzial. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bezeichnet den Quantencomputer gar als „Schlüssel zu unserer Zukunft“. Bald werde das Wetter zuverlässig und langfristig vorhersagbar, Krankheiten früher erkannt und Verkehrsströme kontrollierbar, so die Versprechungen. Was in der Betrachtung beinah immer fehlt, ist der Blick auf die Faktenlage.

Besagte Quantencomputing-Plattform gehört IBM, einem US-Konzern. Deutsche Firmen können sie nutzen für rund 11 000 Euro pro Monat. Wen das nicht abhält, der kann hier quantenbasierte Berechnungen durchführen. Das klingt jedoch leichter, als es ist. Wir sprechen über etwas, das selbst die Quantenphysiker bis heute nicht völlig verstehen. Seit vielen Jahrzehnten versucht die Wissenschaft, die merkwürdigen Gesetze der Quantenwelt zu begreifen. Die Bits herkömmlicher Rechner können zwei Zustände annehmen, nämlich Null oder Eins. Ein Qubit schafft diese gleichzeitig und theoretisch sogar beliebig viele dazwischen. Das klingt verrückt und ist es auch, denn es widerspricht unserem Alltagsdenken.

Quantencomputer sind zudem sehr aufwendig zu bauen, benötigen extreme Kühlung und sind hochgradig störanfällig. Zudem sind sie mit den üblichen Methoden nicht zu programmieren, denn es gilt, mit Unschärfe umzugehen. Wenn man nicht weiß, was so ein kleinstes Teilchen gerade macht, dann ist es schwer, das in Code zu fassen.

Quantencomputing ist ein Forschungsfeld in Kinderschuhen. Da, wo solche Rechner tatsächlich auf wohldefinierte Probleme angesetzt werden, sind sie mit üblichen Computern gekoppelt. Sie lösen Spezialaufgaben sehr schnell. Sie zum „Schlüssel der Zukunft“ zu erheben, ist allerdings ein Luftschloss. Denn das würde bedeuten, etwas in der Hand zu halten, das vielleicht ein Schlüssel ist, aber wir nicht wissen, zu welchem Schloss er gehören könnte. Und auch die Frage nach der Zukunft bleibt offen. Was genau soll er denn aufschließen?

Die Autorin ist Komplexitätsforscherin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Erfolg ist ein Mannschaftssport“.

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