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Die Pyramiden von heute sind die Milliardenberge von Bezos und Zuckerberg.

Pseudo-Ökonomie

Was uns der Bau der Pyramiden lehren kann

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Der schwerste Angriff aufs Klima wird beharrlich ignoriert: Die Koppelung des Lebensunterhalts an die 40 bis 60 Prozent vermeidbarer Arbeit. Die Wirtschaftskolumne.

Das Verhältnis der Ökonomie zum Klimawandel ist leicht zu beschreiben: Alles, was Mainstream-Ökonomen toll finden, zerstört das Klima: Wachstum, Konjunktur, Ferntourismus, vermeidbarer Handel, Freihandel mit Mercosur, vermeidbare Arbeit. Und alles, was sie schlecht finden, rettet es: Nullwachstum, Zölle, Protektion, Transport- und Arbeitsvermeidung.

Die große Klimakatastrophe kommt 70 Jahre früher als zuerst berechnet. Bis dahin sind Permafrostböden, Polar- und Gletschereis längst aufgetaut. Im TV waren große, tiefe Löcher zu sehen, mit denen Sibiriens Norden übersät ist. Ursache: gewaltige Methangas-Explosionen und Moorbrände. Methan ist 28 mal so klimaschädlich wie CO2. Dagegen schlägt man allerlei Strategien vor: freiwillige Schamabgaben ab fünf Euro pro Flug, aufkommensneutrale CO2-Steuern, Neupflanzung von einem Drittel des Weltwaldes. Alles nicht ganz falsch, aber hoffnungslos zu wenig und zu spät.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Günther Moewes, Verteilungskritiker und emeritierter Professor.

Der schwerste Angriff aufs Klima wird dagegen beharrlich nicht erkannt: Die Koppelung des Lebensunterhalts an die 40 bis 60 Prozent vermeidbarer Arbeit. Klar, dass das jene nur schwer begreifen können, deren Existenz man davon abhängig gemacht hat: Sie protestieren, wenn sie nicht Kohle, Waffen und Ackergifte produzieren dürfen.

Vielleicht kann man es ja an einem Beispiel aus der Frühzeit erklären: Schon die Pyramiden waren Arbeitsbeschaffung. Man sagte den Arbeitssklaven: Wenn ihr nicht arbeitet, bekommt ihr kein Geld und müsst verhungern. Dass ihre Lebensmittel auch völlig ohne Pyramiden erzeugt worden wären, ging den Arbeitern nicht auf. Das wurde von Pharaonen und Hohepriestern durch allerlei Hokuspokus sorgfältig verhindert. Die heutigen Hohepriester haben um diese Trivialtatsache ein monströses Gebäude aus Pseudoökonomie entwickelt, das sie mittlerweile selbst nicht mehr durchschauen.

Günther Moewes.

Die Pyramiden von heute sind die Milliardenberge von Bezos und Zuckerberg. Sowie riesige Umschlaghäfen, die man baut, damit Deutsche japanische Autos fahren können und Japaner und Südamerikaner deutsche. Letztere bezahlen mit Rindfleisch, Sojabohnen und giftigen Chrysanthemen. Regenwaldrodung und Rinderabgase gegen Autoabgase. Fazit: Mit Marktplacebos und überflüssiger Arbeit ist das Klima nicht mehr zu retten. Sondern nur mit Wohlstandsverzicht der Reichen. Und mit Grundeinkommen für die von schädlicher Arbeit Befreiten.

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