Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Nobelpreis-Medaille.
+
Die Nobelpreis-Medaille.

Spitzenforschung

Prunkvolle Nobelpreise

  • Hilke Brockmann
    VonHilke Brockmann
    schließen

Die Verleihung der Nobelpreise wirft prunkvoll ein Schlaglicht auf die Wissenschaft – aber sie verklärt auch den Blick. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Alle Jahre wieder werden im Oktober die sechs prestigeträchtigen Nobelpreise vergeben. Geheimnisvolle Komitees ermitteln nach geheimnisvollen Regeln die wenigen Glücklichen. Ja, es sind auch in diesem Jahr fast ausschließlich weiße Männer aus dem globalen Norden. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Denn die Debatte um die Rolle von Geschlecht, Hautfarbe und quälender sozialer Ungleichheit ist ein weites Feld mit vielen Untiefen.

Konzentrieren wir uns auf das Phänomen der Spitzenforschung. Die Nobelstiftung speist sich aus dem Vermögen von Alfred Nobel, einer der vielen Erfinder des Dynamits und ein Rüstungsindustrieller. Die Zinsen seines Kapitals kommen drei naturwissenschaftlichen Disziplinen der Chemie, Medizin und Physik zugute. Aus den Sozialwissenschaften hat es nur die Wirtschaftswissenschaft zur Nobelpreisreife gebracht – und auch das nur, weil hier die schwedische Nationalbank mit Stiftungskapital eingesprungen ist. Die weiteren Preise für Literatur und Frieden sind keine Forschungspreise.

Die Preisverleihung wirft prunkvoll ein Schlaglicht auf die Wissenschaft. Sie gilt als zentraler Motor für Fortschritt und Wohlstand in der modernen Gesellschaft (des Westens). Aber das grelle Licht verklärt auch den Blick. Wir sehen individuelle glückliche Forscher, die im Wissenschaftssystem reüssiert haben. Wir sehen nicht, dass sie Teil einer großen Forschungsgemeinschaft sind, an dessen Vorarbeiten sie anknüpfen, von dessen Mitarbeiter:innen und wissenschaftlichen Diskussionen sie abhängen.

Wir sehen, dass sich ein Füllhorn über Repräsentanten einiger weniger, oft nordamerikanischer Spitzenuniversitäten und auch Max-Planck-Instituten ergießt. Wir sehen nicht, woher das Kapital kommt, nach welchen Regeln es verteilt wird und wer leer ausgeht – Stichwort #ichbinHanna.

Wir sehen, dass einige Natur- und auch die Wirtschaftswissenschaften förderungswürdig sind. Wir sehen nicht, dass andere Disziplinen außer Acht gelassen werden. In Anbetracht der sozialen, politischen und ökologischen Verwerfungen unserer Zeit erscheint mir diese Ignoranz gegenüber sozialwissenschaftlichen Fragestellungen nach Kooperation und Koordination besonders problematisch.

Und wer übernimmt die Verantwortung für die Folgen von Nobelpreisen? Der 1953 ausgezeichnete deutsche Chemiker Hermann Staudinger erhielt den Preis für die Erfindung des Plastiks.

Die Autorin ist Soziologin. Sie arbeitet an der Jacobs University in Bremen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare