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Protest gegen Monsanto: Der Chemiekonzern Bayer hat sich durch den Kauf des Agrarriesen  in die größte Krise seiner Unternehmensgeschichte manövriert.

Gastwirtschaft

Protest als Ratgeber: Warum Anleger auf die Gesellschaft hören sollten

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Die Beispiele RWE, Deutsche Bank, Bayer oder Deutsche Wohnen zeigen: Unternehmen, die Kritik ignorieren und breiten Unmut ausblenden, fahren ihren Laden irgendwann gegen die Wand. Anleger*innen sollten das im Auge behalten.

Protest ist nervig und verdirbt das Geschäft. Mit dieser Haltung haben viele deutsche Großkonzerne jahrzehntelang auf die Kritik der Zivilgesellschaft an Geschäften, die Umwelt, Frieden und Menschenrechten schaden, reagiert. Notgedrungen hat man die Proteste vor den Versammlungshallen über sich ergehen lassen und kritischen Aktionären Rederecht erteilt, um danach weiterzumachen wie bisher. Umsatz schlägt Umweltfragen. Gewinn siegt über Grundsätze.

Doch die Zeiten ändern sich. Wer den Klimawandel befeuert, Kritik ignoriert und den Unmut breiter Gesellschaftsschichten ausblendet, fährt seinen Laden irgendwann gegen die Wand. Das bekommen gerade eine ganze Reihe großer börsennotierter Konzerne zu spüren.

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Wiebke Johanning, Mitarbeiterin der Bewegungsstiftung, die  fördert Protestbewegungen mit Geld und Beratung fördert.

Der Stromriese RWE, Europas klimaschädlichster Konzern, hat die Energiewende verschlafen und in den vergangenen Jahren Milliardenverluste eingefahren. Der Chemiekonzern Bayer hat sich durch den Kauf des Agrarriesen Monsanto in die größte Krise seiner Unternehmensgeschichte manövriert. Nach Glyphosat-Gerichtsurteilen in den Vereinigten Staaten brach der Kurs der Bayer-Aktien im April um ein Drittel ein.

Nachdem der Berliner Senat einen Mietendeckel angekündigt hat, verloren die Aktien der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen, die jahrelang ihre Profite durch Mietsteigerungen erhöht haben, um zehn bis 20 Prozent an Wert. Und die Deutsche Bank, die in Rüstung und Kohle investiert und in Steueroasen operiert, erlebt eine seit Jahren anhaltende Talfahrt des Aktienkurses und ist in zahlreiche Skandale und Gerichtsprozesse verstrickt.

Wiebke Johanning.

Was heißt das nun für Anlegerinnen und Anleger? Protest ist nicht einfach nur nervig, sondern ein wertvolles Warnsystem, das sie vor Verlusten bewahren kann. Denn Protest formiert sich immer dort, wo politische und wirtschaftliche Eliten wichtige Themen verschlafen und Missstände ignorieren. Soziale Bewegungen machen auf diese Probleme aufmerksam und sorgen so für Handlungsdruck.

So kann Protest für Anleger als Lackmustest funktionieren: Höchste Zeit aus diesen Unternehmen auszusteigen und in zukunftsträchtigere Branchen zu investieren. Das nützt allen: der Umwelt, der Gesellschaft und dem eigenen Portemonnaie.

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