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Politik muss Vorbild sein

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Von: Matthias Kolbusa

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Jede Führungskraft weiß, wie wichtig es ist, die von anderen verlangten Prinzipien selbst vorzuleben. Kanzler Scholz, hier Mitte August 2022  im Flieger zwischen Oslo und Stockholm.
Jede Führungskraft weiß, wie wichtig es ist, die von anderen verlangten Prinzipien selbst vorzuleben. Kanzler Scholz, hier Mitte August 2022 im Flieger zwischen Oslo und Stockholm. © Kay Nietfeld/dpa

Politikerinnen und Politiker können von Unternehmen einiges lernen. Dann wären Olaf Scholz und Robert Habeck wohl auch mit Maske geflogen.

Es ist spannend, die Politik durch die Augen des Managements zu betrachten. So flogen vor einigen Tagen Olaf Scholz und Robert Habeck um die Welt, um grünen Wasserstoff in Kanada zu besorgen. Auf eine Maske an Bord verzichteten sie. Alles okay, weil man PCR-getestet gewesen sei? Auf dem Rückflug wohl nicht, wie mittlerweile zugegeben wurde.

Es soll hier aber weder um Parteinahme in der Sache noch um moralische Verurteilung gehen. Es mag sogar Gründe geben, die Dinge auf einem Luftwaffenflug mit Politikern anders zu handhaben als auf einem schnöden LH-Flug irgendwohin. Allerdings ist das Ganze immer auch eine Frage des Signals nach außen.

Stellen wir uns also vor, Scholz und Habeck seien die Topmanager der BRD und die Bürger seien die Mitarbeiter. Jede Führungskraft weiß, wie wichtig es ist, die von anderen verlangten Prinzipien selbst vorzuleben. Der Grat zwischen dem, was für alle gilt, und exklusiven Vorrechten der Führung ist in Organisationen schmal und wird unterhalb der Chefetage mit Argusaugen bewacht.

So wäre es wohl klüger gewesen, den Flug mit Maske zu bestreiten, damit die „Mitarbeiter“ kein Problem mit der Glaubwürdigkeit der „Chefs“ haben, weil die sich etwas gönnen, dass sie der „Belegschaft“ vorenthalten. Derartiges kann die Kultur einer Organisation und damit ihre Zukunftsfähigkeit beeinträchtigen. Die Zustimmung zu Führungsvorgaben sinkt, der Teamspirit geht in den Keller und das nötige Engagement aller weicht der Gleichgültigkeit oder gar dem Widerstand.

Aber das ist noch nicht alles und nur das kleinere Managementproblem. Könnten wir die nötige Elektrolyse für den grünen Wasserstoff nicht längst auch hierzulande haben? Vielleicht – hätten die Regierungen vorher nicht so einseitig auf billige Energie aus Russland gesetzt. Hier ist viel weniger die Frage, ob man Putins Kriegspläne hätte erahnen müssen. Vielmehr wissen gute Manager, dass einseitige Abhängigkeiten über lange Zeiträume selbst unter Freunden immer ein Risiko sind.

Dabei gibt es politisch bereits seit 2020 die Absichtserklärung „Nationale Wasserstoffstrategie“, und Unternehmen wie Thyssenkrupp sind längst in die Produktion eingestiegen. So wird’s gemacht, und vielleicht sollten die Politiker doch öfter mal die Manager fragen.

Der Autor ist Unternehmer sowie Veränderungsexperte. Zuletzt erschien von ihm „Konsequenz! Management ohne Kompromisse – Führen mit Klarheit und Aufrichtigkeit“ (Ariston-Verlag).

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