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Piraten vor Somalia

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Von: Stephanie Borgert

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Fischtrawler aus Europa (hier ein Symbolbild) kreuzen auch vor Somalia.
Fischtrawler aus Europa (hier ein Symbolbild) kreuzen auch vor Somalia. Dadurch fangen die Einheimischen weniger. © John Holmes/Imago

Ein System zu subventionieren führt immer mehr in die Ausbeutung und Überlastung, es nimmt den natürlichen Rohstoffen die Zeit zum Nachwachsen. Da helfen dann manches Mal nur noch Piraten.

Kein Marketer kommt heute ohne dieses Zauberwort aus: Nachhaltigkeit. Da wird nachhaltig gegessen, Auto gefahren, gelesen und gegärtnert. Aber egal, ob es gerade um Paprika, T-Shirts oder das Duschen geht, gemeint ist der schonende Verbrauch von Ressourcen. Kürzer unter dem Wasserstrahl, seltener Fleisch essen und so weiter.

Schön und gut, aber Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Verbraucher. Sie ist eine Eigenschaft von Systemen und so ist es zuerst eine Frage der Gestaltung von Kreisläufen aus Ernte, Herstellung und Nutzung. Und eines lässt sich in jedem dieser Systeme beobachten: Sobald subventioniert wird, ist es aus mit der Nachhaltigkeit.

Werfen wir einen Blick auf die europäische Fischerei und skizzieren ein einfaches Modell. Boote fahren aufs Meer und fangen Fische. Wenn viele Boote rausfahren und viele Fische fangen, ist der Profit hoch wird auch in weitere Boote investiert. Irgendwann ist der Fischbestand so dezimiert, dass Profit und Investitionen sinken. Dann fahren weniger Boote raus, fangen weniger Fische und der Bestand erholt sich. Das System ist nachhaltig.

Nun wollen wir aber Effizienz und hohe Margen und rüsten technologisch dermaßen auf, dass die Fangmengen zu groß werden, als das der Fischbestand sich noch erholen könnte. Das System kollabiert.

Präsentiert man Grundschülern diese Zusammenhänge, dann antworten sie: „Fangt mal eine Weile weniger, dann gibt’s auch wieder Fische“.

Die Logik der EU ist leider eine andere. Wir fangen nicht mehr genug Fische, also fangen wir mehr Fische. Die Fanggebiete werden ausgeweitet, die Ausfahrtzeiten verlängert und technologisch wird nochmal nachgelegt. So kreuzen seit geraumer Zeit europäische Trawler auch vor Somalia. Mit der Konsequenz, dass die somalischen Fischer nichts mehr fangen und umschulen – auf Pirat. Gemäß ihrer neuen Berufung überfallen sie EU-Trawler, woraufhin die nicht mehr vor Ostafrika fischen.

Der Fischbestand dort hat sich erholt. Aber nicht dank der EU-Subventionen, ganz im Gegenteil. Ein System zu subventionieren führt immer mehr in die Ausbeutung und Überlastung, es nimmt den natürlichen Rohstoffen die Zeit zum Nachwachsen. Da helfen dann manches Mal nur noch die Piraten.

Die Autorin ist Management- beraterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Erfolg ist ein Mannschaftssport“.

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