+
Ein Drittel aller Pflegeheimbewohner beziehen Sozialhilfe.

Pflegeversicherung

Eigenanteile stürzen Pflegebedürftige in die Armut

  • schließen

Die Soziale Pflegeversicherung muss grundlegend reformiert werden. Die Gastwirtschaft.

Pflegebedürftige zahlen für ihre Betreuung horrende Preise. Aktuell werden mehr als 1900 Euro pro Monat für einen Platz im Pflegeheim fällig. Damit sind die Kosten innerhalb weniger Monate um 110 Euro gestiegen. Dass sich solche Summen nur wenige Pflegebedürftige leisten können und sehr viele in die Armut stürzen, liegt auf der Hand. Es verwundert nicht, dass rund ein Drittel aller Pflegeheimbewohner Sozialhilfe beziehen.

Angesichts solcher Zustände muss der dramatische Anstieg der Eigenanteile gestoppt werden, also der Kosten, die Pflegebedürftige aus eigener Tasche für ihre Pflege zahlen müssen. Hierfür muss zum einen die Soziale Pflegeversicherung reformiert werden. In ihrem jetzigen Zuschnitt deckt sie nur einen Teil der Kosten in der Pflege ab. Demgegenüber brauchen wir eine Umwandelung der Pflegeversicherung in eine Pflegevollversicherung, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt.

Gleichzeitig müssen auch die Länder und Kommunen in die Pflicht genommen werden, sich stärker als bisher an den Investitionskosten zu beteiligen. Die derzeit von den Pflegebedürftigen zu tragenden Investitionskosten haben fast die Höhe der pflegebedingten Eigenanteile erreicht. Hier braucht es gleiche Regelungen wie bei den Investitionskosten der Krankenhäuser. Um die Kommunen nicht zu überfordern, wären hier auch Steuermittel des Bundes einsetzbar.

Lesen Sie hier: Rente in Thailand: Welche Probleme Deutsche im Rentnerparadies haben

Aber zurück zur Pflegeversicherung: Eine Pflegevollversicherung muss widerspiegeln, dass Pflege alle angeht und eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Dass der Versicherungsbeitrag kaum höher als heute ausfallen würde, hat der Bremer Gesundheitsökonomen Heinz Rothgang für die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet. Danach wären die zu erwartenden Kosten für eine Pflegevollversicherung für die Versicherten und Arbeitgeber überschaubar – aber nur dann, wenn die gesetzliche und die private Pflegeversicherung nicht mehr getrennt wären und alle Versicherten in eine einheitliche soziale Bürgerversicherung einzahlten, darunter auch Beamte und Selbstständige.

Nach Rothgangs Berechnungen müssten aktuell gesetzlich Versicherte für eine Voll-Absicherung im stationären Bereich durchschnittlich gut fünf Euro im Monat mehr bezahlen, im Jahr rund 65 Euro. Der zusätzliche Beitrag der Arbeitgeber wäre mit durchschnittlich 25 Euro im Jahr noch geringer. Das sind Zahlen, die niemanden überfordern – anders als die aktuellen Pflegekosten, die ein enormes Armutsrisiko bergen.

Verena Bentele ist Präsidentin des Sozialverbands VDK Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare