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Die Reform entpuppte sich als Betrug - nicht an den Pflegekräften, sondern an jenen, die sie pflegen, schreibt Verena Bentele.
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Die Reform entpuppte sich als Betrug - nicht an den Pflegekräften, sondern an jenen, die sie pflegen, schreibt Verena Bentele.

Reform

Pflege: Kein Ausgleich der Inflation

  • Verena Bentele
    VonVerena Bentele
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Die Pflegereform war eine Mogelpackung. Ihr Inhalt: Weniger Pflege für das gleiche Geld.

Es klang so vielversprechend: Endlich wollte die Bundesregierung die lange versprochene Pflegereform angehen. Nicht mehr nur mit Applaus auf Balkonen und warmen Worten sollte Pflegekräften gedankt werden, sondern mit mehr Geld am Ende des Monats. Doch die Reform entpuppte sich als Betrug - nicht an den Pflegekräften, sondern an jenen, die sie pflegen.

Ja, es ist gut, dass spätestens ab September kommenden Jahres alle Pflegerinnen und Pfleger endlich besser bezahlt werden. Auch dass Einrichtungen verpflichtet werden, mehr Stellen zu schaffen. Nur, versprochen war auch eine Entlastung der Gepflegten – und zwar aller, nicht nur jener in Einrichtungen. Das Gegenteil ist nun der Fall.

Denn diese Reform der Bundesregierung geht vor allem zulasten der ambulant Gepflegten. Frau Müller zum Beispiel, ein 86 jähriges VdK-Mitglied mit Pflegegrad 3, lebt eigenständig in ihrer Wohnung – dank der Hilfe ihrer Tochter und eines ambulanten Pflegedienstes. Bislang bekommt Frau Müller von ihrer Kasse unter anderem eine Pauschale von 125 Euro, um im Monat davon vier Stunden Hilfe im Haushalt zu bezahlen. Künftig wird sie für die Pauschale gerade noch zwei Stunden bekommen.

Denn die Pflegereform wird zu einem großen Teil über einen Trick finanziert. Sechs Milliarden Euro wird die Pflegereform voraussichtlich kosten, aber nur für einen Teil stellt die Bundesregierung überhaupt Geld bereit. Eine Milliarde kommt aus Steuerzuschüssen, 400 000 Euro sollen Kinderlose beisteuern. Und 1,8 Milliarden – jetzt wird’s betrügerisch – werden damit bezahlt, dass bis ins Jahr 2025 die Inflation nicht mehr ausgeglichen wird.

Dabei war der Inflationsausgleich ein großes Versprechen der großen Koalition. Noch Ende 2020 hatte die Bundesregierung festgestellt, dass die Leistungen für Pflegebedürftige um fünf Prozent steigen müssten, um der Preisentwicklung gerecht zu werden.

Stattdessen verlieren die Pflegeleistungen nun weiter an Wert. Weniger Pflege für das gleiche Geld ist das Motto. Frau Müller wird das bitter zu spüren bekommen. Zu Hause gepflegt werden, was sie und die meisten Menschen sich wünschen, und was bislang auch politisch gewünscht war, wird somit nun richtig teuer. Das Prinzip „ambulant vor stationär“ wird damit auf den Kopf gestellt.

Die Autorin ist Präsidentin

des Sozialverbands

VDK Deutschland.

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