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„Verstehen Sie sich als Feministin?“

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Parität – jetzt und überall

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Man solle aufgrund von Leistung Karriere machen, nicht als „Quotenfrau“. Tja, etwa dies war auch das Argument der schwarzen Haussklaven, die sich im US-Freiheitskampf auf die Seite der weißen Herren stellten.

Nicht jede Frau, die in einem Schloss wohnt, ist eine Prinzessin. Sie könnte auch Zofe oder Zimmermädchen sein. Das ist bei Frauen im Vorstand nicht anders. Sicher, die Zeiten sind vorbei, in denen die Frau nur am Konferenztisch saß, um den Kaffee zu reichen. Wir haben schließlich die Quote in Deutschland, auch wenn sie nur für die Aufsichtsräte von nur etwa 100 Unternehmen gilt. Egal. Bleiben wir bei den vorbildlichen Unternehmen, die Frauen den Zutritt auf die Teppichetage öffnen. Ein Sieg der Gleichberechtigung? Leider nein. Denn wie viel Macht haben die wenigen Damen inmitten der ansonsten immer noch eintönigen Männerriege wirklich?

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Claudia Cornelsen, Kommunikationsberaterin.

Nur wenige der Frauen in Prestigepositionen zeigen sich überhaupt in der Öffentlichkeit. Und überraschend viele äußern sich abfällig zum Reizthema Quote. Legendär als Moderatorin Miriam Meckel 2017 die Gretchenfrage der Gleichberechtigung an die Gesprächsrunde richtete: „Verstehen Sie sich als Feministin?“ Während IWF-Chefin Christine Lagarde, die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland und sogar Trump-Tochter Ivanka unverhohlen zustimmten, kam Kanzlerin Merkel ins Drucksen.

Sie selbst sei doch der Beweis, dass eine Frau es auch ohne Quote schaffe, heißt es oft. Man solle aufgrund von Leistung Karriere machen, nicht als „Quotenfrau“. Tja, etwa dies war auch das Argument der schwarzen Haussklaven, die sich im US-Freiheitskampf auf die Seite der weißen Herren stellten: Wer sich anstrenge, könne auch als Schwarzer eine saubere, gut bezahlte Arbeit bekommen. Selbst schuld, wer die Drecksarbeit auf dem Feld machen müsse. Die Haussklaven hielten nicht die Sklaverei für das Problem, sondern die dreckigen Hände der Feldsklaven. Es brauchte ein Jahrhundert, bis der stolze Slogan „Black is beautiful“ die wahre Diskriminierung anklagte.

Annegret Kramp-Karrenbauer nutzte kürzlich selbstbewusst das Schimpfwort „Quotenfrau“ für sich selbst. Sie hat verstanden, dass es kein Zeichen von Emanzipation ist, wenn auf Fotos zwischen lauter schlecht sitzenden Anzügen gelegentlich ein elegantes Kleid auftaucht. Nein, eine Kanzlerin macht noch keinen Sommer. Echte Gleichberechtigung beginnt erst, wenn in allen Gremien, auf allen Podien und vor allem auf dem Gehaltszettel tatsächlich Parität besteht. Übrigens: Das GenderPayGap bei Führungskäften liegt nicht bei 21, sondern sogar bei 30 Prozent.

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