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Geldwäsche ist ein großes Problem in Deutschland (Symbolbild).
Geldwäsche ist ein großes Problem in Deutschland (Symbolbild). © Silas Stein/dpa

Die deutsche Politik muss Geldwäsche mit Transparenz und Entschlossenheit bekämpfen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Konrad Duffy.

Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass Deutschland ein Problem mit Geldwäsche und Schattenfinanzzentren hat. Seit vielen Jahren ist die Bundesrepublik ein sicherer Hafen für Gelder von Kriminellen und Oligarchen aus aller Welt. Regelmäßig machen italienische Fahnder darauf aufmerksam, wie wohl sich Mafiosi in Deutschland fühlen. Das Land sei ein Geldwäscheparadies par excellence. Doch ernstgenommen wurden diese Stimmen in der Regel nicht, zum Schaden unserer aller Sicherheit. Denn sobald die Gelder gewaschen sind, können Sie im legalen Wirtschaftskreislauf genutzt werden und so Kriminellen dienen.

Die Probleme sind leider umfassend: Es gibt weder ein lückenloses Transparenzregister, geschweige denn ein Immobilienregister. So tappen die Ermittler an vielen Stellen im Dunkeln – denn kein Oligarch ist so naiv und trägt seinen eigenen Namen als Eigentümer im Grundbuch ein. Mit zahlreichen Schachtelkonstruktionen und Schattenfirmen haben es sich Oligarchen und Kriminelle bequem gemacht.

Da wir dies zuließen, tun sich Behörden jetzt so schwer, die Sanktionen gegen Oligarchen durchzusetzen. Und an den Stellen, wo eigentlich bereits Transparenz eingefordert wird, sind die Behörden heillos überfordert, die bisher nötigen Angaben zu überprüfen. Die Folgen sind dramatisch, was sich an der schieren Zahl von rund 100 Milliarden Euro ablesen lässt, die jedes Jahr in Deutschland gewaschen werden.

Es ist also höchste Zeit, für mehr Transparenz und durchsetzungsstarke Behörden zu sorgen. Wir haben deshalb eine Unterschriftenaktion an Finanzminister Christian Lindner ins Leben gerufen, damit die Fehler der Vergangenheit endlich behoben werden. Zu unseren Forderungen zählt auch, dass Immobilien bei denen die wirtschaftlich Berechtigten nicht feststellbar sind, in kommunale Hand überführt werden. Denn wir können uns das tatenlose Zusehen einfach nicht mehr erlauben.

Es liegt nun an Christian Linder und der Ampel-Regierung für die notwendigen Maßnahmen zu sorgen. Andernfalls wird uns unsere Schwäche bei der Verhinderung von Finanzkriminalität immer wieder auf die Füße fallen.

Der Autor ist bei der Bürgerbewegung Finanzwende für Themen rund um Finanzkriminalität wie Geldwäsche und CumEx zuständig. Zuvor war er unter anderem in der Abteilung für Geldwäschebekämpfung einer großen Bank tätig.

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