CO2-Steuer

Ökologische Wahrheit

Wir müssen den Verbrauch von Rohstoffen begrenzen. Die Gastwirtschaft.

Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen, meinte einst Ernst-Ulrich von Weizsäcker, und eine Steuer als Preis für CO2 wird derzeit breit diskutiert. Aber Preise sind eigentlich für etwas anderes gedacht, nämlich für die indirekte Kommunikation über den Wert menschlicher Leistungen. Eher können Mengen die ökologische Wahrheit sagen. Ein besseres Instrument wäre daher ein Lizenzhandel für Rohstoffverbrauch, eine Idee, die auf Herman E. Daly zurückgeht. Der Staat würde Mengenlizenzen zur Gewinnung oder zum Import von Rohstoffen versteigern. Käufer könnten diese Lizenzen nutzen, halten oder weiter verkaufen.

Dieser Lizenzhandel wäre dem bestehenden EU-Emissionshandel für CO2 ähnlich, aber umfassender. Er sollte die mengenmäßig wichtigsten Rohstoffe erfassen, vor allem fossile Rohstoffe und Metalle. Zwar ist das CO2-Problem drängend, aber es ist nur eines von vielen Problemen, die durch exzessiven Rohstoffverbrauch verursacht werden. Der ökonomische Anreiz zum Rohstoffverbrauch ist grundsätzlich hoch, und es ist schwer zu sagen, was eine CO2-Steuer tatsächlich bewirken würde. Nur eine Mengenobergrenze verhindert verlässlich Reboundeffekte: dass eingesparte Rohstoffe umgehend woanders verbraucht werden. Wir haben heute stromsparende LED-Leuchten, überziehen aber das Land flächendeckend mit Mobilfunk. Wir trennen Müll, während immer aufwendiger verpackte Produkte angeboten werden.

Ein Mengenmodell wäre auch „marktkonformer“ als ein Modell mit festen Preisen, denn dann würde der Preis sich am Markt bilden und flexibler sein. Vermutlich wäre ein Mengenmodell gesellschaftlich auch leichter zu vermitteln, denn 40 Euro pro Tonne CO2 sind vielleicht kontroverser als 50 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.

Der Lizenzhandel könnte zudem sozialverträglich ausgestaltet werden. Wenn man die Lizenzeinnahmen als ökologisches Grundeinkommen an die Haushalte zurückgeben würde, würde der Preisanteil der Rohstofflizenzen in den Produkten „sozial neutralisiert“. Menschen, die einen geringeren Rohstoffverbrauch haben, würden profitieren. Dann würden die Preise in einem ökonomischen und sozialen Sinne nicht verfälscht und könnten dennoch eine ökologische Lenkungswirkung wahrnehmen.

Deshalb ist es wichtig, plural zu denken und marktbasierte sowie nicht marktbasierte Ansätze vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise zu diskutieren.

Andreas Siemoneit ist Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik.

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