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Das Wachstum in Deutschland sollte gestoppt werden.
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Das Wachstum in Deutschland sollte gestoppt werden.

Grenzen des Wachstums

Nur ein Tsunamie an Appellen

Man überbietet sich hierzulande mit Appellen, die auf Veränderung persönlicher Verhaltensweisen abzielen. Und keine Parteien hat einen Stopp des Wachstums im Programm.

Im Jahr 1972 sorgten die „Grenzen des Wachstums“ für Aufsehen. Eine der Schlussfolgerungen dieses Berichts des Club of Rome lautete: „Unsere gegenwärtige Situation ist so verwickelt und so sehr Ergebnis vielfältiger menschlicher Bestrebungen, dass keine Kombination rein technischer, wirtschaftlicher oder gesetzlicher Maßnahmen eine wesentliche Besserung bewirken kann. Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen. Sie erfordern ein außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut.“

Diese klare Forderung nach einer grundlegenden Abkehr von einem auf ständiges Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem hat es 50 Jahre später noch immer nicht in Wahlprogramme von Parteien geschafft, die im September Chancen auf das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde hätten.

Veränderungswillige verzweifeln angesichts einer Stimmung im Lande, die in offene Hasstiraden mündet. Dabei überbietet man sich mit Appellen, die auf Veränderung persönlicher Verhaltensweisen abzielen.

Weder die in direkter Verbindung zum Wachstumsstreben stehenden Super-GAUs in Atomkraftwerken noch Naturkatastrophen wie verheerende Stürme, Dürren, Hitzewellen oder Überschwemmungen führen zu einer Politik vollkommener Neuausrichtung. Wir werden im September Parteien an die Macht Deutschlands wählen, von denen keine auch nur ansatzweise der Forderung des Club of Rome gerecht werden könnte. An politische „Höchstleistungen“ wie die EU-Verordnung von 2011 zum maximalen Standby-Verbrauch von zwei Watt pro Stunde bei elektrischen Geräten werden sich weitere Symptombehandlungen reihen.

Keine Regierung und auch keine parlamentarische Opposition hat einen Wachstumsstopp oder Gleichgewichtszustände im Programm. Aus einer Schwemme an Mahnrufen in Richtung des einzelnen Menschen ist mittlerweile ein Appell-Tsunami geworden. Grundlegende Veränderungen, wie etwa ein vollkommen andersartig konzipiertes Wirtschafts- und Geldsystem, fordern ein paar Versprengte. Das auf individuelle Verhaltensänderungen ausgerichtete Hauen und Stechen nimmt derweil groteske Züge an. Und der Hochgeschwindigkeitszug in Richtung weiteren Wachstums wird grün umlackiert.

Andreas Bergmann ist Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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