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Nichts Neues vom Jobmarkt

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Von: Nicole Truchsess

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„Ich melde mich bei Ihnen“, heißt es heute – und nicht mehr „Wir melden uns“.
„Ich melde mich bei Ihnen“, heißt es heute – und nicht mehr „Wir melden uns“. © Daniel Ingold/Imago

Auf dem Arbeitsmarkt ist niemand zufrieden, und auch in den Personalabteilungen beklagen sich alle. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

HR in Sorge: Absagen von Bewerbern auf dramatischem Niveau“ lautete jüngst eine Schlagzeile in den sozialen Medien. Die Überschrift zielte auf die Ergebnisse einer Forsa-Studie ab, die ergab, dass viele Jobsuchende während des Bewerbungsprozesses abspringen würden. Die Gründe seien vielfältig, jedoch identifizierbar.

Wie immer fiel auch der mittlerweile inflationär genutzte Satz: „Die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt haben sich verschoben. Unternehmen haben nicht mehr die Trümpfe in der Hand. Heute bewerben sich Unternehmen bei Talenten, nicht Talente um Jobs“, so Frank Hassler, Vorstandsmitglied der New Work SE. Er sei sich sicher, der Arbeitgebermarkt entwickle sich zum Arbeitnehmermarkt.

So weit so gut und im Grunde nichts Neues. Oder etwa doch? Die Umfrage zeigte die Vielfalt der Gründe für die Absagen von Bewerbern: attraktivere Angebote der Konkurrenz, fehlende Flexibilität der Arbeitgeber, Prozessthemen wie Handhabung, Technik, aber auch Geschwindigkeit während der Bewerbungsphase.

Mehr als 60 Prozent der Personalverantwortlichen sind mit administrativen Aufgaben wie Gehaltsabrechnungen, der Organisation und Koordination von Bewerbungsprozessen beschäftigt. Genau an dieser Stelle zeigen sich die Optimierungspunkte. Zum einen wurden bei dieser Erhebung nur die Wahrnehmung der HR-Verantwortlichen ausgewertet und ist damit einseitig. Zum anderen erkennt man die nach wie vor hohe Verwaltungs- und fehlende Serviceorientierung der Personalabteilungen.

Eine andere Studie von „Manager-Seminare“ hingegen zeigt klar die Sicht der Bewerber:innen auf. Demnach sind die meistgenannten Gründe, warum Jobsuchende ein Angebot ablehnen oder während des Prozesses abspringen, emotionaler Natur. Mit 26 Prozent wurde die Diskrepanz zwischen Rechercheergebnis und Arbeitgeberrealtität genannt, mit 25 Prozent die unglaubwürdige Selbstdarstellung des Unternehmens und mit 23 Prozent der unsympathische Kontakt mit dem Personaler.

Die Ambivalenz des Ganzen zeigt sich in der „Ghosting-Rate“ einer dritten Studie von Stepstone. Fast 60 Prozent der Jobsuchende haben erlebt, dass Unternehmen nicht auf ihre Bewerbung reagieren. Jetzt stellt sich die Frage: Waren das alles keine Talente oder wie wird Talent definiert?

Die Autorin ist Unternehmerin, Personalexpertin und schreibt Bücher. Zuletzt erschien von ihr „Mehr Bewerber!“.

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