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Die rasant gewachsene Nachfrage nach einer intakten Umwelt – von ‚Fridays for Future‘ über ‚Extension Rebellion‘ bis zu Veganismus und grüner Mode – verweisen den Markt in neue Grenzen.

Kapitalismus

Neue Grenzen setzen!

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Egoistisches Gewinnstreben sät soziales Misstrauen. Deshalb ist es höchste Zeit, Reformen anzugehen. Die Gastwirtschaft.

Wären die Gesellschaften dieser Erde Fußballmannschaften, dann droht den reichen westlichen Demokratien der Abstieg in die zweite Liga. Die Leistungen der letzten Wochen lassen nichts Gutes ahnen: Tod der Volksparteien in Thüringen, das Brexit-Drama in der Endlosschleife und eine US Außenpolitik für Egoshooter.

Ist das Modell liberaler kapitalistischer Gesellschaften am Ende? Der Tod eines Patienten ist nicht leicht vorherzusagen. Aber viele vitale Funktionen scheinen gestört. Die rasant gewachsene Nachfrage nach einer intakten Umwelt – von ‚Fridays for Future‘ über ‚Extension Rebellion‘ bis zu Veganismus und grüner Mode – verweisen den Markt in neue Grenzen.

Hilke Brockmann ist Soziologin und arbeitet derzeit am European University Institute.

Wir sollten uns eingestehen, dass ein grenzenloser Markt, der gleichermaßen alle Dinge und Beziehungen zu Waren degradiert, mehr Unfreiheit als Freiheit schafft. Oder wie fühlen Sie sich, wenn Sie Ihr Humankapital für Ihren Lebenslauf zusammenstellen, wenn Sie beim Zahnarzt über den Zahnersatz verhandeln oder auf Dating-Portalen Ihre persönlichen Vorzüge anpreisen?

Egoistisches Gewinnstreben sät soziales Misstrauen. Man kann nie sicher sein, ob sich der andere an die Absprachen hält oder nicht doch noch durch die Hintertür entschlüpft. Auch erscheint jeder nicht egoistisch Handelnde wie ein Depp. Oder wie beurteilen Sie jemanden, der nicht jeden Steuerschlupfwinkel nutzt? Das hat verheerende Folgen für den Zusammenhalt von Familien, von Institutionen oder eben auch der Politik.

Deshalb brauchen wir Grenzen. Grenzen der Warenwelt, Grenzen des Eigennutzes. Die Umweltbewegungen zeigen die Grenzen des Planeten auf. Die amerikanischen demokratischen Präsidentschaftskandidaten, allen voran Elisabeth Warren, verweisen den Kapitalismus in neue Schranken.

Die Große Koalition ist da weniger einfallsreich. In der Mitte bewegt sich wenig. Dem wachsenden Misstrauen können die Regierungsparteien deshalb nichts entgegensetzen und Sigmar Gabriel als Autolobbyist legt noch eine Schippe drauf. Jetzt gilt es, Reformen anzugehen! Eine Reformation mobilisiert Menschen mit Idealen (siehe Kirche). Ein neuer grüner ‚Deal‘ wäre ein solcher Grenzverlauf. Und seien Sie versichert, für etwas Größeres als nach seinem Eigennutz zu streben, macht glücklich, gerade weil man es nicht kaufen kann. Denken Sie mal drüber nach!

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