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Die geforderte Anpassung der ärztlichen Gebührenordnung für Privatversicherte durch die Bundesregierung wird wohl noch länger auf sich warten lassen.

Gastwirtschaft

Die Nebeneffekte des deutschen Gesundheitssystems

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Kein anderes Land in Europa kennt die Aufteilung in ein gesetzliches und ein privates Versicherungssystem. Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands, zu den Nebeneffekten unseres Gesundheitssystems.

Seit fast zwei Jahrzehnten wird über die Ausgestaltung des Krankenversicherungssystems in Deutschland gestritten. Kein anderes Land in Europa kennt eine Aufteilung in ein gesetzliches und ein privates Vollversicherungssystem. In manchen Ländern ist es möglich, dass Bürgerinnen und Bürger eine öffentliche Grundsicherung haben und darüber hinaus höchstens für bestimmte Zusatzleistungen privat vorsorgen.

Seit sich die angeblichen Vorteile eines Wettbewerbs zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung als Mythos entlarvt haben, wird weniger um den ideologischen Überbau („Bürgerversicherung“) als um die konkreten Unterschiede der Steuerungswirkungen gestritten.

Das gilt in besonderer Weise für die Frage, was die höheren Vergütungen der privaten Krankenversicherung für ambulante, ärztliche und zahnärztliche Leistungen bewirken. Hier geht es einerseits darum, ob Privatversicherte aus finanziellen Gründen von den Ärzten mit medizinisch unnötigen Leistungen überversorgt werden. Zum anderen stellt sich die Frage, ob das Niederlassungsverhalten der Ärzte spürbar beeinflusst wird, Mediziner also dorthin gehen, wo es besonders viele Privatversicherte gibt.

Franz Knieps ist Vorstand des BKK-Dachverbands.

Doch das sind längst nicht die einzigen Blüten, die das Nebeneinander zweier Vollversicherungssysteme treibt. Die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung hat zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass psychotherapeutische Leistungen für gesetzlich Versicherte längst besser vergütet sind als privat erbrachte Leistungen. Zudem ist der Verwaltungsaufwand für die Erstattung von Privatabrechnungen höher als im Sachleistungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Rechnungen müssen schließlich von den privaten Krankenversicherungen und gegebenenfalls noch durch die Beihilfestellen – rund 50 Prozent der Privatversicherten sind Beamte – vor der Erstattung geprüft werden.

Auf die von den Psychotherapeuten wie auch von den Ärzten geforderte Anpassung der ärztlichen Gebührenordnung für Privatversicherte durch die Bundesregierung werden diese wohl noch länger warten. Viel eher wird es eine gemeinsame Vergütungsregelung für alle Versicherten geben. Man darf gespannt sein, welche Vorschläge dazu von einer hochrangig besetzten Sachverständigenkommission kommen. Das wäre dann mal ein Schritt in Richtung eines einheitlicheren Gesundheitssystems.

Der Autor ist Jurist und Vorstand des BKK-Dachverbands.

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