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Ein Computer-Algorhithmus bestimmt Hirnsignale.

Gastwirtschaft

Mysterium Algorithmus

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Wir brauchen einen öffentlichen Diskurs, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Wer mitreden will, muss sich informieren. Die Gastwirtschaft. 

Welche Informationen wir auf Facebook sehen und welche Suchergebnisse Google anzeigt, wählt ein Algorithmus aus. Er berechnet auch, wer als potenzieller Partner zu uns passt und wie hoch der Schadenfreiheitsrabatt für das Auto ist. Das ist schon lange nichts Neues, wir haben uns daran gewöhnt und wollen auf die damit verbundenen Annehmlichkeiten auch nicht verzichten.

Umso erstaunlicher, wie wenig die Menschen über Algorithmen wissen. Die Bertelsmann Stiftung hat im Jahr 2018 ermittelt „Was Deutschland über Algorithmen weiß und denkt“. Erstaunlicherweise können 45 der Befragten spontan nichts zum Begriff Algorithmus sagen und nur zehn Prozent wissen, wie diese Rechenvorschriften funktionieren.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Stephanie Bogert, Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die kranke Organisation“.

Ob der Einsatz von Algorithmen mehr Chancen oder Risiken birgt, können 46 Prozent nicht eindeutig sagen. Gleichzeitig scheint es eine Sorge in der Bevölkerung zu geben, denn mehr als 70 Prozent ist beim Einsatz algorithmischer Entscheidungssysteme unwohl. Es gibt aber natürlich auch eine Gruppe, die sehr offen eingestellt ist. Es sind die technik-affinen, sachkundigen Männer.

Halten wir also fest: Algorithmen umgeben uns und sind fester Teil unseres Alltages, aber wir wissen wenig über sie. Dieses generelle Nicht-Wissen ist ein gesellschaftliches Problem. Täglich wird viel geredet, veröffentlich und diskutiert zum Thema, aber leider oft ohne ausreichende Kenntnisse und Differenzierung. Nicht jeder Algorithmus ist gleich künstliche Intelligenz (KI). Und nicht jede KI ist gleich gefährlich.

Stephanie Bogert, Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die kranke Organisation“.

Diagnostische Verfahren in der Medizin beispielsweise liefern sehr gute und hilfreiche Ergebnisse. Es wird da kritisch, wo Algorithmen zur Bewertung von Menschen eingesetzt werden und Entscheidungen vorbereiten beziehungsweise unterstützen sollen. Die Tendenz, solche Systeme zum Beispiel in der Mitarbeiterauswahl und der Personalentwicklung zu nutzen, nimmt stetig zu. Genau jetzt braucht es öffentlichen Diskurs, Austausch, Einigung, Transparenz und Verantwortung.

Mitreden können die Menschen aber nur mit ausreichendem Wissen über die Technologien und deren Möglichkeiten. Damit wir heute und in Zukunft die Technik für uns sinnvoll und ethisch nutzbar machen können, gilt folgende Empfehlung: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Informatik-Sachverständigen Ihres Vertrauens.

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