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Wenn allein das Geld, dass in den letzten 14 Tagen an der Börse „verbrannt“ wurde, für gesellschaftlich wichtige Projekte eingesetzt worden wäre, sähe vieles anders aus.

Notwendiger Wandel

Mutig in die Zukunft

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Ein einfaches Konjunkturprogramm wird bei strukturellen Problemen kaum helfen. Die deutsche Wirtschaft muss nachhaltig stabilisiert und Panik begrenzt werden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

In zehn Jahren wird nichts mehr sein wie früher. Darin sind sich viele einig. Zu drängend sind die Probleme. Klima, Verkehr, Bildung, Pflege, Gesundheitssystem, Migration und andere Bereiche müssen neu geordnet werden. Dazu kommen immer neue apokalyptisch wirkende Meldungen. Ein Virus, der Menschen, Märkte und Lieferketten bedroht, hat das Potenzial die Weltwirtschaft in Unordnung zu bringen. Finanzmärkte brechen ein, Arbeitsplätze brechen weg. Die alte Wirtschaftsordnung, die wie im Blindflug auf maximale Renditen, Produktion und Konsum setzt, kommt scheinbar an Grenzen. Die Digitalisierung beschleunigt den Wandel – aber in welche Richtung?

Bislang deutet alles darauf hin, dass auch in der nahen Zukunft am Kern des Wirtschaftssystems festgehalten wird. Brennende Fragen werden zwar diskutiert, aber auf der Handlungsebene weitgehend ausgeblendet. Die laue CO2 Bepreisung ist ein Symptom dieser Denkmuster. Ein solches Denken werden wir uns nicht mehr leisten können. Schon jetzt ist davon auszugehen, dass die ersten zwanzig Jahre dieses Jahrhunderts als Jahre mit viel Erkenntnis aber wenig Handlungswillen in die Geschichtsbücher eingehen werden. Viel zu lange wird gezögert.

Mechthild Schrooten.

Wandel lässt sich am besten meistern, wenn die Wirtschaft brummt. Dieser Moment wurde in Deutschland verpasst. Das jahrelange Wirtschaftswachstum kommt zu Ende. Bereits jetzt stehen Entlassungen und Kurzarbeit im Raum. Krisen sind immer Zeiten von Verteilungskämpfen.

Das schwierigere Umfeld darf jedoch nicht als Argument genutzt werden, den notwendigen Wandel weiter aufzuschieben. Eine ethisch fundierte Digitalisierung kann zu mehr Transparenz, geringeren Transaktionskosten und somit auch zum gesellschaftlichen Nutzen beitragen. Ein einfaches Konjunkturprogramm, wie es aktuell schon diskutiert wird, wird bei strukturellen Problemen kaum helfen.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

Es geht darum, endlich mutig in die Zukunft aufzubrechen. Dabei steht auch die Kapitalseite in der Pflicht. Wenn allein das Geld, dass in den letzten 14 Tagen an der Börse „verbrannt“ wurde, für gesellschaftlich wichtige Projekte eingesetzt worden wäre, sähe vieles anders aus. Denn mit einer bedarfsorientierten Daseinsvorsorge lässt sich nicht nur die Binnenwirtschaft stabilisieren, sondern auch die Panikmache begrenzen.

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