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Mut zum Bücherstapel

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Von: Dennis Fischer

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„Das Kapital“ von Karl Marx darf natürlich in keiner guten Sammlung fehlen.
„Das Kapital“ von Karl Marx darf natürlich in keiner guten Sammlung fehlen. © dpa

Selbst ungelesene Werke erfüllen einen Zweck und wirken sich sogar positiv auf die Haushalte aus in denen sie herumliegen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Neues Jahr – neue Leselisten mit Titeln wie: „Diese 15 Bücher müssen Sie unbedingt im Jahr 2023 lesen“. Haben Sie sich dieses Jahr auch vorgenommen jeden Monat ein Buch zu lesen? Oder sind Sie vielleicht sogar so verrückt wie ich vor einigen Jahren und wollen jede Woche ein Buch konsumieren?

Aber mal Hand aufs Herz! Welche Bücher wollten Sie im letzten Jahr lesen und wie viele davon liegen immer noch original verpackt auf Ihrem Nachttisch? Die Japaner haben sogar einen eigenen Begriff für dieses Phänomen: „Tsundoku“. Er beschreibt die gekauften, aber noch ungelesen Bücher, die sich zu Hause stapeln. Bei mir ist aus dem Stapel mittlerweile ein ganzes Regal geworden. Und das ist auch gut so!

Vor einiger Zeit habe ich das Konzept der „Antibibliothek“ kennengelernt. Der bekannte Autor Nassim Nicholas Taleb beschreibt in seinem Buch „Der schwarze Schwan“ die Bibliothek von Umberto Eco, dessen persönliche Bibliothek angeblich 30 000 Bücher umfasst. Dieser rechnete seinen Besuchern gerne vor, dass er im Laufe seines Lebens maximal 25 200 Bücher lesen könnte – vorausgesetzt er würde jeden Tag ein Buch lesen!

Es werden also immer Bücher bleiben, die er nicht gelesen hat und das nennt Taleb die „Antibibliothek“. Diese sei mindestens genauso wichtig wie die Bücher, die er gelesen hat, weil sie ihm vor Augen führt, wie wenig er weiß.

Vor einigen Jahren hatte ich auch den Anspruch alle wichtigen Bücher zu einem Fachbereich zu lesen, habe aber irgendwann gemerkt, dass während der Lektüre schon wieder neue Bücher zum selben Thema hinzugekommen waren. Es ist also keine Schande mehr Bücher zu kaufen, als wir wirklich lesen werden.

Zumal Bücher uns auch prägen, ohne dass wir sie lesen. Eine Studie aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass Kinder aus Haushalten mit 80 bis 350 Büchern deutlich stärkere Kompetenzen bei der Textverarbeitung, beim Rechnen und in der Kommunikation hatten als Kinder aus Haushalten mit weniger Büchern.

Nicht nur wenn wir Kinder im Haushalt haben, sollten wir uns also für dieses Jahr vornehmen mehr Bücher zu kaufen und weniger Bücher zu lesen! Dabei genießen wir das angenehme Gefühl zu wissen, dass wir die Bücher zur Hand haben, wenn wir etwas nachschlagen möchten, ohne sie komplett von vorne bis hinten lesen zu müssen.

Der Autor ist Coach und Blogger. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future Work Skills“.

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