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Mit Tempo 100 auf der Autobahn

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Von: Norbert Nicoll

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Ein Tempolimit auf Autobahnen wird weiter diskutiert.
Ein Tempolimit auf Autobahnen bleibt weiter kontrovers diskutiert. © dpa

Das Tempolimit hat viele Vorteile. Es wird Zeit, es endlich einzuführen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Manche alte Zöpfe wurden bereits abgeschnitten. Andere noch nicht. Beispiel Tempolimit: Ein solches gibt es in allen Nachbarländern, nur in Deutschland nicht. Ein Tempolimit schmeckt der mächtigen Autolobby nicht – sie kann dann noch schlechter deutlich machen, weshalb Autos immer größer, schwerer und leistungsstärker werden müssen. Doch wenn man den Teich austrocknen will, sollte man nicht die Frösche fragen.

Ein Tempolimit ist sinnvoll. Je schneller ein Auto unterwegs ist, desto höher fällt der Kraftstoffverbrauch aus – und desto mehr Emissionen entstehen. Es gilt: Geringere Geschwindigkeit gleich geringer Luftwiderstand gleich geringerer Verbrauch. Im Jahr 2020 verursachten Autos und leichte Nutzfahrzeuge auf Bundesautobahnen Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 30,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Berechnungen des Umweltbundesamts zufolge würde ein Tempolimit auf hiesigen Autobahnen den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich vermindern. Eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde würde demnach sofort zwei Millionen Tonnen CO2 vermeiden, ein Tempolimit von 130 noch 1,5 Millionen Tonnen. 4,3 Millionen Tonnen CO2 ließen sich einsparen, wenn höchstens 100 Kilometer pro Stunde erlaubt wären.

Würde ein solches Limit umgesetzt werden, könnten Autos deutlich leichter konstruiert werden, weil im Falle eines Unfalls deutlich weniger Bewegungsenergie aufzufangen wäre. Leichtere Fahrzeuge würden wiederum weniger verbrauchen und weniger Ressourcen benötigen.

Weitere Vorteile: Ein Tempolimit würde die Verkehrssicherheit erhöhen und die Lärmemissionen mindern. Weniger Verkehrsstaus könnten die Folge sein, weil der Verkehr gleichmäßiger fließen kann. Das würde volkswirtschaftliche Kosten durch Staus vermindern und könnte sogar Fahrzeiten verkürzen.

Natürlich sollte niemand naiv sein: Für eine umfassende Transformation der Wirtschaft wäre ein Tempolimit nur ein Anfang. Viele sehr viel weitergehende Maßnahmen wären nötig. Wenn die Titanic unterzugehen droht, reicht es nicht, ein paar Sonnen-stühle auf dem Oberdeck umzustellen.

Der Autor lehrt Nachhaltige Entwicklung an der Uni Duisburg-Essen und publizierte zuletzt das Sachbuch „Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte“.

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