+
Obdachlosenhilfe im Winter.

Wohnungsnot

Der Mietanstieg muss gestoppt werden

  • schließen

Ein radikales Umdenken in der Wohnungspolitik ist nötig. Der Gastbeitrag.

Vor kurzem hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schockierende Zahlen bekannt gegeben: Die Organisation schätzt, dass etwa 650 000 Menschen in Deutschland keine eigene Wohnung haben. Man muss sich das konkret vorstellen: 650 000 Personen haben kein Dach über dem Kopf, müssen auf dem Sofa oder gar dem Fußboden bei Freunden, Bekannten oder in Notunterkünften schlafen. Das ist würdelos und ein unhaltbarer Zustand, der sich dringend ändern muss.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Nach den Gründen für diese sozialen Verwerfungen muss man nicht lange suchen: Vor allem in den Großstädten sind die Mieten in den letzten Jahren so rasant gestiegen, dass die Gehälter und Löhne der Arbeitnehmer sowie staatliche Hilfen wie die Grundsicherung damit nicht mithalten konnten. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder, Rentner, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderung. Bei vielen Leuten geht die Angst um, dass sie ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können – ein Gefühl, das mittlerweile einen Großteil der Bevölkerung belastet, auch die Mittelschicht. Denn Jobverlust, Scheidung, Krankheit oder ein Unfall können jeden treffen und in soziale und finanzielle Nöte bringen.

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Wir brauchen in vielerlei Hinsicht wieder mehr soziale Sicherheit, besonders eben auch beim Thema Wohnen. Bezahlbares Wohnen muss die Regel sein. Wohnen ist ein Menschenrecht und darf nicht zur existenziellen Frage für den Einzelnen werden. Notwendig ist in erster Linie ein Umdenken in der Wohnungspolitik. Die Politik muss endlich mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und in den sozialen Wohnungsbau investieren. Außerdem brauchen wir funktionierende Mechanismen, die den Mietanstieg drosselt, zum Beispiel eine effektive Mietpreisbremse oder einen Mietendeckel.

Vor allem müssen wir für die ärmsten Menschen in der Gesellschaft sorgen und sie davor schützen, dass hohe Mieten sie in die Wohnungslosigkeit treiben. Deshalb sollten in der Grundsicherung die Kosten der Unterkunft an die realen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt angepasst werden. Auch die Reduktion oder Streichung der Kosten von Unterkunft und Heizung im Hartz-IV-System, die von Jobcentern im Rahmen von Sanktionen verhängt werden, gehören gestoppt. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen duldet keinen Aufschub, die politisch Verantwortlichen müssen schnell und entschlossen handeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare