Menschliches Wachstum ist „nice“, aber kein „Need-to-have“.
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Menschliches Wachstum ist „nice“, aber kein „Need-to-have“.

Gastwirtschaft

Mentales Wachstum

  • Boris Grundl
    vonBoris Grundl
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Was Personalmanagement leisten sollte.

Human Resource Management zielt darauf ab, menschliche Leistungspotenziale in einer Organisation freizusetzen, damit der Unternehmenszweck erfüllt und jeder der beste Mensch wird, der er sein kann. Was für eine wunderbare Herausforderung mit sehr viel Sinn! Daher folge ich dieser Berufung zuerst zehn Jahre als angestellte Führungskraft, jetzt seit über 20 Jahren als Experte und Unternehmer.

Doch die Corona-Krise offenbart: In finanziell engen Zeiten wird Weiterbildung oft zuerst gestrichen. HR ist somit nicht systemrelevant. Menschliches Wachstum ist „nice“, aber kein „Need-to-have“. Die Ursache dafür liegt in der mangelnden Differenzierung von Bestätigung und Wachstum. In der Analyse der menschlichen Psyche wurde schnell klar, dass geringer Selbstwert ein ernstes Thema ist. Also haben HR-Abteilungen sich auf die Bestätigung konzentriert: „Du bist gut, so wie du bist!“ Niemand soll seine charakterlichen Defizite kompensieren, indem er andere erniedrigt. Das ergibt Sinn. Durch diese Konzentration sind gefährliche Auswüchse entstanden. Aus Bestätigungsstreben wurde eine Bestätigungsfalle.

Die Weiterbildungsindustrie hat sich zudem zu einer Kultur mit Überlegenheitsillusion entwickelt. Nach dem Motto: „Wir sind die Zertifizierten. Wir wissen Bescheid. Die anderen sind beratungsresistent!“

Inzwischen lassen viele Mitarbeiter und Managerinnen die Maßnahmen über sich ergehen, weil sie eben müssen. Augen zu und durch, danach weiter wie bisher. Die fehlende Wirkung kratzt an der Daseinsberechtigung der HR. Schließlich wird jeder, der sich nicht regelmäßig infrage stellt, irgendwann von anderen hinterfragt. Durch Umwälzungen im Markt oder eine Krise.

Auf der Suche nach Legitimation müssen HR-Abteilungen nun zuerst intellektuell erkennen und dann emotional anerkennen, wie sehr die „Bestätigung des Selbst“ eine lähmende Schicht schaffen hat. Anschließend geht es um die wahre Herausforderung: Wie können Menschen wirklich mental wachsen? Das gelingt, wenn HR-Abteilungen sich mehr auf die Bestätigung für geistiges Wachstum konzentrieren – und weniger auf die Bestätigung des Selbst. Dann hat das Human Resource Management seine zukunftsfeste Daseinsberechtigung gefunden. Nur so entsteht Systemrelevanz. Entweder erfolgt diese Disruption freiwillig oder unter Zwang.

Boris Grundl ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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