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In Zeiten brennender Wälder - wie jüngst in Australien - ist es schick, sich für den Schutz des Klimas stark zu machen, erklärt unser Autor. 

Gastwirtschaft

Menschen voller Hybris

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Superreiche wie Amazon-Gründer Jeff Bezos stellen sich gerne als Retter der Welt dar. Dabei sind sie eher Teil des Problems.

Bill Gates hat es vorgemacht. Jetzt folgt ihm als Weltenretter Jeff Bezos. Zehn Milliarden Dollar will der Amazon-Gründer und gegenwärtig reichste Mann der Welt für die Bekämpfung des Klimawandels spenden. Das ist kein Pappenstiel. Über 300 000 Jahre müsste ein Durchschnittsverdiener dafür in Deutschland arbeiten.

„Wir können die Welt retten“, verkündete Jeff Bezos Anfang dieses Jahres – und weil er damit wohl zuallererst sich selbst meinte, nennt er sein Engagement: „Bezos Earth Fund“. Anders als frühere Mäzene setzen sich die heutigen Giganten der Philanthropie gerne selbst in Szene. Sie sind nicht nur steinreich, sondern voller Hybris.

Mit der gleichen rücksichtslosen Konsequenz, mit der sie ihr Vermögen aufgebaut haben, streben sie nun nach gesellschaftlicher Rendite. Sie sind es, die entscheiden wollen, was getan werden soll. Man wolle, so Bezos, „die zerstörerischen Effekte des Klimawandels“ bekämpfen – also nicht etwa dessen Ursachen. Da könnte schließlich der Blick auf Akteure wie Bezos selbst fallen.

In Zeiten brennender Wälder ist es schick, sich für den Schutz des Klimas stark zu machen. Das schafft Publicity und den Protagonisten einen „warm glow“, einen milden Glanz. Im Falle von Amazon lenkt es zudem ab von der Verantwortung, die der Konzern selbst für die sozial-ökologische Verwüstung der Welt trägt. Es verwundert nicht, dass Bezos über die gewaltigen Schadstoffemissionen, die all seine Flugzeuge, LKWs und Lieferautos beim Transport der Waren ausstoßen, ebenso wenig spricht wie über die stromfressenden Computerprogramme, die den Online-Handel erst ermöglichen, oder die Steuerschlupflöcher, die Amazon zur eigenen Gewinnmaximierung nutzt.

In den USA hat das Unternehmen 2018 nicht nur keine Steuern gezahlt, sondern von den Finanzbehörden sogar noch eine Gutschrift über 129 Millionen Dollar erhalten. Über den Verzicht auf Steuereinnahmen sind es letztlich alle gewesen, die es einzelnen Superreichen ermöglicht haben, sich als Weltenretter aufzuspielen. Ebenso gut aber können wir uns heute auf das besinnen, was im Zuge jahrzehntelanger verfehlter Steuerpolitik an den Rand des Bankrotts getrieben wurde: eine solidarisch verfasste Gesellschaftlichkeit.

Der Autor ist Sprecher der Stiftung Medico International. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Hilfe? Hilfe! – Wege aus der globalen Krise“ (mit Ilija Trojanow).

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