+
Statt Selbstreflexion ist die Selbstverwirklichung als Dauermieter in unser Gesellschaftshaus eingezogen.

Arbeitswelt

Der Mensch im Zentrum

  • schließen

Soziale Kompetenz ist im Arbeitsleben unabdingbar, nimmt aber in Zeiten von High-Tech immer weiter ab. Die Wirtschaftskolumne.

Die gegenwärtige High-Tech-Ära braucht mehr Authentizität: 2020 wird es im Marketing wichtiger denn je, den Menschen ins Zentrum zu rücken.“ lautete jüngst die Schlagzeile eines aktuellen Global Marketing Trends Reports. In Anbetracht der Krankenkassen-Statistik über die Diagnosehäufigkeit von Burn-Out-Erkrankungen, die sich im letzten Jahrzehnt beinahe verdreifacht hat, mutet diese Headline fast zynisch an.

Wir werden täglich digitaler und haben so viel Technologien wie noch nie als Unterstützung zur Verfügung. Und dennoch fehlt uns die Zeit für Dinge, die uns wichtig sind. Dieses Spannungsfeld hat seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht und es gilt, diesem entgegenzuwirken mit der Frage: „Was ist wirklich relevant in unserem (Arbeits-) Leben?

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Nicole Truchsess, Unternehmerin, Personalexpertin und Buchautorin. Zuletzt erschien von ihr „Glaubenssätzen auf der Spur“.

Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Wir sind, um uns „gesund“ entwickeln zu können, auf die Zuwendung anderer Menschen und auf Lernerfahrungen, die uns andere Menschen ermöglichen, angewiesen. Das heißt, wir sind voneinander abhängig. Im beruflichen Kontext spiegelt sich das darin wieder, dass jeder einzelne von uns durch die hohe Innovationsgeschwindigkeit immer mehr zu einem Spezialisten wird, der ohne die Mitwirkung der Kollegen kein zufriedenstellendes Gesamtergebnis abliefern kann.

Nicole Truchsess

Die Fähigkeit, soziale Netzwerke zu knüpfen, sich selbst gut wahrzunehmen und empathisch auf sein soziales Umfeld zu reagieren, nimmt daher an Bedeutung zu. Ebenso die Kompetenz, sich auch in Stresssituation sehr gut selbst regulieren zu können. Statt Selbstreflexion ist jedoch die Selbstverwirklichung als Dauermieter in unser Gesellschaftshaus eingezogen.

Dabei könnte es so einfach sein, soziale Intelligenz zu beweisen. Unser Körper stellt uns unter anderem den Transmitter Dopamin, ein „Glückshormon“, zu Verfügung. Eine natürliche, jedermann zugängliche und erlaubte körpereigene Droge. 

Wie kann das glücksbringende Hormon ausgeschüttet werden? Zum Beispiel indem man jemand anderem in die Augen schaut. Wir blicken leider den größten Teil unseres Tages nach unten, auf unser Smartphone. Damit also die Aussage „Den Menschen in den Mittelpunkt stellen“ kein hohler Marketingspruch bleibt, verstauen Sie Ihr Handy in der Tasche und suchen Sie wieder häufiger den Blickkontakt Ihres Gegenübers. Es lohnt sich!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare