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Mehr Mittel gegen Hunger

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Von: Dagmar Pruin

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Getreideernte in Deutschland: Wenn wir nicht bald handeln, droht eine Welternährungskrise.
Getreideernte in Deutschland: Wenn wir nicht bald handeln, droht eine Welternährungskrise. © Axel Heimken/dpa

Genauso wichtig wie die direkte Nothilfe ist es, die Abhängigkeit des globalen Südens von Getreideimporten zu reduzieren. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die russische Aggression gegen die Ukraine hat sehr schnell zu einem dramatischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise und Lebenshaltungskosten weltweit geführt. Jetzt droht ein Ausfall ukrainischer Getreideexporte, und Russland könnte versucht sein, seine Exporte von mehr als 30 Millionen Tonnen als politisches Druckmittel wie bei Gas und Öl einzusetzen. Weizen und andere Agrarprodukte werden zudem durch hohe Preise für Energie und Dünger, für Erntetechnik oder Transport weiter verteuert.

All dies heizt die Inflation an. Das spüren wir auch in Deutschland. Existenziell trifft es die Menschen, die den Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen. Sollte im Herbst wegen schlechter Ernten in anderen Ländern weniger Weizen auf den Markt kommen, könnte sich die Krise ausweiten. Damit würde auch die Versorgung der Menschen in Ländern gefährdet, die wir sonst nicht mit Hunger in Verbindung bringen wie etwa Tunesien.

Wenn wir nicht bald handeln, droht eine Welternährungskrise. Schon jetzt steigt die Zahl der akut von Hunger Betroffenen in Konflikt- und Dürregebieten dramatisch an. Im Jemen, im Osten Afrikas und im Sahel müssen die Mittel für die direkte Nothilfe drastisch erhöht werden. Die Ärmsten der Armen dürfen nicht diejenigen sein, die am stärksten unter einer Krise leiden, zu der sie am wenigsten beigetragen haben. Es ist völlig unverständlich, dass die Bundesregierung in ihrem Ergänzungshaushalt nur geplante Kürzungen rückgängig macht, nicht aber die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit aufstockt.

Genauso wichtig wie die direkte Nothilfe ist es, die Abhängigkeit des globalen Südens von Getreideimporten zu reduzieren. Die Staaten müssen größere Anstrengungen unternehmen, um wieder klimatisch angepasste Getreidearten wie die Hirseart Sorghum oder Reis anzubauen. Das so eingesparte Geld sollte in die Entwicklung der lokalen Landwirtschaft fließen. Bäuerinnen und Bauern brauchen Unterstützung bei einer nachhaltigen Steigerung und Diversifizierung ihres Anbaus, und sie brauchen auch gute Preise.

Vorschläge für krisenfestere Ernährungssysteme hat der Welternährungsrat (CFS) längst vorgelegt. Um eine Welternährungskrise abzuwenden, ist ein finanziell gut ausgestattetes Programm unter politischer Leitung des zuständigen Welternährungsrats zwingend nötig.

Die Autorin ist Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe.

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