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Mehr Diskurs in Firmen

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Von: Stephanie Borgert

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Weiterbildung wird oft falsch angegangen. Angebote in Betrieben sind gut gemeint, aber zumeist wenig hilfreich. Was ist stattdessen zu tun? Es muss mehr im Kollektiv geschehen.

Wie lernt Ihre Organisation?“ Diese Frage hinterlässt meist Stirnrunzeln. „Wie wird in Ihrer Organisation gelernt?“ klingt vertrauter und da liegt das Problem. Viele Unternehmen sind auf einem Pfad der Transformation, weil sich die Organisation wandeln soll. Mehr Agilität, eine positive Fehlerkultur, mehr Kundenorientierung und so weiter. Sie wollen lernen. Die Frage, wie das gehen kann, ist also berechtigt.

Die Antworten zeigen jedoch das anhaltende Missverständnis in HR-Abteilungen und Geschäftsführungen. „Wir haben Schulungsprogramme für die Mitarbeitenden, Methoden-Workshops und E-Learning.“ Gut gemeint, aber wenig hilfreich. Geht es doch darum, das kollektive Denken und Handeln zu verändern, nicht das der Einzelnen.

Eine Organisation ist nicht einfach die Summe seiner Individuen. Sie ist ein kollektives Kommunikationssystem. Jeder einzelne Mensch wird davon in seinem Denken und Handeln beeinflusst und wirkt seinerseits auf das System zurück. Aus genau diesem Grund verkommen die vielen Schulungen zu „mehr X“ und „positivem Y“ zu Türschildaktionen. „Wenn endlich alle Agilität begriffen haben, werden wir auch als Organisation agil“, führt beobachtbar nicht zum gewünschten Erfolg. Was ist stattdessen zu tun? Diskurs entfachen!

Es braucht Diskurs über die kollektiven Bewertungsmuster in der Organisation. Solange ein Kollektiv beispielsweise das Fehlermachen kategorisch vermeidet, weil das als falsch oder unprofessionell bewertet wird, hilft es gar nichts, wenn Einzelne sehr gerne auf Fuck-Up Nights über ihr Scheitern sprechen.

Wir denken und handeln nach unseren gemeinsamen Bewertungsmustern. Das Bewusstmachen dieser Muster ist der erste Schritt. Wenn wir wissen, wie wir Dinge bewerten, können wir die Frage stellen, ob wir das so beibehalten wollen. Im Diskurs können die Menschen miteinander aushandeln, wie sie als Kollektiv zukünftig handeln wollen. Ist das verabredet, wird es anstrengend, denn die neuen Routinen müssen eingeübt werden. Die Anstrengung lohnt, denn so können wir entscheidende Automatismen verändern.

Dann können sich die Teams, die sich um die vielen Schulungen kümmern, anderen Aufgaben widmen. Die Frage ist, ob die Organisation das lernen will.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Erfolg ist ein Mannschaftssport“.

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