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Süperman war gestern. Jetzt sind Heldinnen gefragt.

Heldinnen

Matilda statt Superman

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Warum Heldinnen für Kinder und die ganze Gesellschaft gut sind.

In seiner Schulzeit mochte der Comic-Zeichner Damian Alexander weibliche Heldinnen. Die Lieblingsfigur des jungen Künstlers aus Boston war Matilda aus dem gleichnamigen Buch von Roald Dahl. „Sie war so schlau und ich konnte mich darin wiedererkennen, wie sie sich in ihrer Familie fehl am Platz gefühlt hat“, erklärt er in einem Interview mit dem Künstler-Portal Bored Panda. 

Ebenso bewunderte der kleine Damian Mary Poppins und Hermine aus Harry Potter. „Ich denke, das liegt daran, dass Mädchencharaktere dazu neigen, kreative Problemlösungen anstelle von tumber Gewalt einzusetzen, und das fand ich viel ansprechender“, verrät er.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Sigrid Meuselbach, Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

Doch es ist nicht allein dieses erfrischende Bekenntnis, das unter anderem die österreichische Frauenzeitschrift „Woman“ dazu veranlasst hat, dieses Interview aufzugreifen. Denn die Geschichte, die Damian Alexander auch als Comic verarbeitet hat, geht noch weiter. Als er in der Schule eine Figur nennen sollte, die er bewundert, sagte er: Matilda. Sofort passierte, was er schon in ähnlicher Form in seiner Familie erlebt hatte: Die Klasse lachte und die Lehrerin bemühte sich, ihn umzustimmen.

Sie fragte: „Wie wäre es mit einem männlichen Charakter wie Superman, Indiana Jones oder Luke Skywalker?“ Die Schlussfolgerung des Künstlers: Jungs lernen so, dass offenbar nur männliche Vorbilder Bewunderung verdienen und Mädchen peinlich und minderwertig sind. Auch wenn solche Bemerkungen nur unüberlegt nachgeplappert werden, so Damian Alexander weiter, haben sie seiner Ansicht nach eine große Wirkung.

Auch ich bin mir sicher, dass wir unbewusst eine Menge Schaden anrichten, weil überholte Rollenmuster in unseren Köpfen herumspuken, die wir dann wiederum der nächsten Generation mitgeben. 

Sigrid Meuselbach

Das gilt für Männer ebenso wie für Frauen. Denn tatsächlich neigen auch viele Frauen dazu, männliche Helden zu verherrlichen und die Leistungen von Frauen weniger wertzuschätzen – weil auch sie das so gelernt und verinnerlicht haben. 

Auf diese Weise zementieren wir das bestehende Ungleichgewicht und verharren in alten, von Männern geprägten Strukturen. Wenn wir aber häufiger mal umdenken, dann klappt es auch besser mit kreativen Problemlösungen à la Matilda, die unsere Gesellschaft so dringend braucht.

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