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Maniok statt Brot

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Von: Wolfgang Kessler

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Landwirtschaftlicher Unternehmer mit Chia-Samen in Namayingo (Uganda).
Landwirtschaftlicher Unternehmer mit Chia-Samen in Namayingo (Uganda). © Gioa Forster/dpa

Das Beispiel Uganda zeigt: Je unabhängiger sich die Länder des Südens von Nahrungsmittelimporten machen, desto besser behaupten sie sich in globalen Krisen.

Kein Zweifel, die Explosion der Getreidepreise als Folge des Ukrainekrieges hat die Hungerkrise in vielen Ländern des globalen Südens verschärft. Auch in Uganda ging die Angst um. Doch das Land blieb bisher von der Hungerkatastrophe verschont.

Dieser Erfolg ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Agrarwende, die die Regierung im Jahre 2016 eingeläutet hat. Bis dahin setzte auch Uganda – wie viele Länder des Südens – auf eine möglichst industrialisierte Landwirtschaft. Entsprechend wuchs die Abhängigkeit von ausländischen Investoren und Getreidelieferungen. Nach Angaben der Slow Food Bewegung in Uganda, die viele Kleinbauern vertritt, warb der Saatgut-Multi Monsanto in Funk und Fernsehen für gentechnisch verändertes Saatgut und für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern traf diese Agrarpolitik in Uganda aber auf harten Widerstand der Kleinbauern-Bewegung. Die Unruhen nahmen zu, als Staatspräsident Yoweri Museweni genetisch manipulierte Nahrungsmittel zulassen wollte.

Unter diesem Druck orientierte sich der Staatschef, selbst Landwirt, schließlich um. Er legte 2016 ein Programm zur Unterstützung der regionalen Landwirtschaft auf und forderte eine Agrarwirtschaft ohne Gentechnik und Chemie. Dies löste einen Boom von biologischem Anbau und nachhaltiger Viehhaltung aus. Da die meisten Schulen in ländlichen Regionen ihr Schulessen oft selbst anbauen, wurden auch sie auf regionale Früchte und nachhaltige Anbaumethoden verpflichtet. Als die Weizenpreise im Frühjahr in die Höhe schossen, forderte der – überaus umstrittene – Staatschef seine Landsleute auf, Maniok zu essen statt Brot. Da es inzwischen viele einheimische Alternativen zu ausländischem Getreide gibt, blieb die Ernährungslage stabil – und dies obwohl die Trockenheit seit Jahren zunimmt.

Zugegeben, die Erfahrungen von Uganda lassen sich nicht einfach auf andere Länder übertragen. Einen Vorsatz könnten sich die Entwicklungspolitikerinnen und Entwicklungspolitiker aller Länder zum Jahreswechsel dennoch in ihr Stammbuch schreiben: Je stärker sich die Länder des Südens aus den Fängen von ausländischen Investoren und Nahrungsmittelimporten befreien und auf ihre eigenen regionalen Ressourcen setzen, desto mehr können sie sich auch in globalen Krisen behaupten.

Der Autor ist Wirtschaftspublizist. Von ihm erschien zuletzt das Buch „Macht Wirtschaft! Ökonomie verstehen – und verändern“.

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