1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Malen Sie schwarz!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Kolbusa

Kommentare

Irgendwann kommt der Tag, an dem man dem Abgrund ins Auge blickt. So grandios wie hier ist der Anblick dann selten - und man ist besser vorbereitet.
Irgendwann kommt der Tag, an dem man dem Abgrund ins Auge blickt. So grandios wie hier ist der Anblick dann selten - und man ist besser vorbereitet. © Konstantin Trubavin/Imago

Warum Pessimismus eine vernachlässigte Tugend ist und hilft, Katastrophen zu verhindern. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Katastrophenlücke“ nennt der Wissenschaftler Christian Pfister lange Zeiten ohne üble Vorkommnisse, in denen unsere Vorsicht erlahmt und wir zu wenig tun, um uns beizeiten gegen Unglück zu wappnen. Was so passieren kann, haben wir 2021 im Ahrtal erlebt, das viel zu schlecht vorbereitet von einer Jahrhundertflut getroffen wurde.

Unserer Wirtschaft und Gesellschaft widerfährt gerade Ähnliches mit der Covid-19-Pandemie. Als hätte es mit Sars vor fast 20 Jahren nicht schon einen Vorboten mit weniger dramatischen Auswirkungen gegeben. Und der aktuelle Blick auf Russland offenbart, wie sehr sich die Politik darin geirrt hat, Wladimir Putin mit Handel und Wandel vom Kurs des Krieges abhalten zu können.

Auch im Management sind diese „Überraschungen“ gang und gäbe. Gehen die Geschäfte lange glatt, glaubt man bald nicht mehr, dass eine Krise mehr als ein temporärer Rückschlag mit verschmerzbarem Kassenloch sein könnte. Doch plötzlich kommt der Tag, an dem man dem Abgrund ins Auge blickt.

Natürlich ist es schicker, ein Optimist als ein Pessimist zu sein. Ein sonniges Gemüt ist halt attraktiver als die miesepetrige Aussicht auf alle möglichen Gefahren. Der Optimist liebt das Prinzip Hoffnung. Doch das ist bequem, denn wer hofft, muss nicht handeln. Der Pessimist hingegen ist kein Fauler. Eifrig und akribisch simuliert er Katastrophen jeder Art und Größe. Das ist keine Kunst ohne Wert, sondern eine clevere Strategie. Denn das Leben lehrt uns, dass ein gesundes Maß Schwarzmalerei und Prophylaxe nicht nur hilfreich, sondern auch existenzrettend sein können.

Meine persönliche Methode dazu nenne ich „Catastrophying“. Regelmäßig, aber immer auch dann, wenn schwierige Entscheidungen anstehen oder sich in meinem Leben etwas Wesentliches verändert, spiele ich verschiedene Variablen und deren mögliche Ergebnisse durch. Wie kann ich Fehler vermeiden oder wenigstens wirksam beheben? Was kann ich riskieren, was auf keinen Fall?

Mein Tipp also lautet: Malen Sie schwarz! Das macht Sie zum Profi unter Amateuren, egal ob beim Schach, in der Vorstandssitzung, in der Politik oder im Familienrat. Pessimistisches Denkvermögen ist die beste Voraussetzung für ein optimistisches Leben.

Der Autor ist Unternehmer sowie Veränderungsexperte. Zuletzt erschien von ihm „Konsequenz! Management ohne Kompromisse – Führen mit Klarheit und Aufrichtigkeit“ (Ariston-Verlag).

Auch interessant

Kommentare