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Wer auch immer mit einer Sojus-Raumkapsel zur ISS fliegt, hat Lob verdient.

Gastwirtschaft

Öfter loben! Und gönnen wir denjenigen, die gelobt werden, die Anerkennung

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Sigrid Meuselbach schreibt in der Gastwirtschaft über Astronautinnen und Spitzenväter.

Eine Frau fliegt ins Weltall und ihr Mann bekommt einen Preis als „Spitzenvater des Jahres“, weil er sich für ein Jahr Elternzeit nimmt, um ihr die Vorbereitung für diesen ungewöhnlichen Flug zu ermöglichen. Auf den ersten Blick scheint hier etwas schiefzulaufen; ist ihre Leistung doch viel größer als seine. Und so gab es viel Kritik an der Auszeichnung des dreifachen Familienvaters.

Die einen bemängelten, dass nicht die erste deutsche Astronautin, die zur Internationalen Raumstation ISS fliegt, sondern wieder einmal ein Mann die Lorbeeren einheimst. Die anderen beklagten sich darüber, dass ein Mann für etwas herausgehoben wird, was Tausende Frauen Tag für Tag ganz selbstverständlich für ihre Partner tun, um deren Karriere zu unterstützen.

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Sigrid Meuselbach, Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

Grundsätzlich stehe ich auf der Seite der Frauen, diese Empörung jedoch teile ich nicht. Denn hier geht es gar nicht darum, wer von beiden mehr Lob oder Anerkennung verdient. Der Preis zielt doch darauf ab, einen Mann sichtbar zu machen, der mit seiner Partnerin eine gleichberechtigte Aufteilung von Beruf und Familienarbeit lebt, die leider noch längst nicht selbstverständlich ist. Von diesen Beispielen brauchen wir mehr. Trotzdem bleibt es natürlich wichtig, dass wir erfolgreiche Raumfahrerinnen, Managerinnen und Wissenschaftlerinnen auszeichnen und dafür loben, dass sie neue Rollenbilder prägen und sich in Männerdomänen durchsetzen.

Aber halten wir uns beim Loben an einige Regeln: Zum Beispiel sollte man andere nur für eine wirkliche Leistung loben und nicht von oben herab. So häufen sich neuerdings Beschwerden darüber, dass Männer die Erfolge von Kolleginnen lautstark hervorheben, sich dabei aber gleichzeitig über sie stellen.

Sie erklären, „stolz“ auf den Erfolg der Frau zu sein, obwohl sie gar nichts dazu beigetragen haben. Für dieses Verhalten wurde der schöne Begriff „Mansclaiming“ erfunden und es ist ebenso überflüssig wie „Manspreading“ (breitbeinig zu viel Platz zu beanspruchen) und „Mansplaining“ (Frauen gönnerhaft etwas erklären, worüber diese selbst bestens Bescheid wissen).

Also: Wählen wir beim Loben die richtigen Worte. Die wichtigste Regel jedoch bleibt: Öfter loben! Und gönnen wir denjenigen, die gelobt werden, die Anerkennung.

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