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Wie problematisch sind die Plagiate im neuen Buch von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock?
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Wie problematisch sind die Plagiate im neuen Buch von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock?

Plagiate

Literarisches Recycling

  • Claudia Cornelsen
    VonClaudia Cornelsen
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Skandalös ist nicht, dass jemand gelungene Formulierungen Dritter in seine eigenen Texte einbaut. Skandalös ist, wenn bei Männern diese Arbeitsweise als „genial“ gefeiert wird, während sie bei Frauen als „Etikettenschwindel“ verunglimpft wird.

Plagiate im Buch – wie dumm kann man sein?! Nein, nicht die Plagiate sind dumm, sondern die, die meinen, Plagiate seien ein Skandal. Annalena Baerbock vorzuwerfen, sie habe ihr Buch nicht selbst geschrieben, ist ähnlich blöd, wie Hannibal zu beschimpfen, er habe Rom gar nicht allein erobert.

Ein Buch ist nie – niemals! – das Werk einer einzelnen Person, sage ich als Ghostwriterin, die mehr als 60 Bücher geschrieben hat. Ein Buch ist Teamarbeit. Es ist üblich, die Ideen aller zu nutzen und selbstverständlich auch auf Textbausteine anderer zurückzugreifen. Die Kulturgeschichte ist voll von solch ikonographischen oder literarischen Recyclings.

Alfred Hitchcock drehte seine Filme nicht ohne Unterstützung und zitierte in all seinen Filmen – ohne jede Kenntlichmachung – tradierte Bilder und Motive. Wassily Kandinsky kupferte die ästhetischen Theorien seiner Kollegin Marianne Werefkin ab, was sie zuließ, weil sie unter seinem Namen nun mal besser zu vermarkten waren. Und Thomas Mann praktizierte in seinen Romanen derart unverholen das Copy-&-Paste-Prinzip, dass man – gemäß den Prinzipien hochbezahlter Plagiatsjäger – ihn nicht als großen Literaten, sondern als größten Plagiator aller Zeiten bezeichnen müsste.

Wer nun einwendet, ein populäres Sachbuch sei keine Kunst, der irrt. Es ist eine Kulturform, die bestimmten Regeln des Genres unterliegt. Auch hier gibt es Trends und Moden, auch hier ließe sich eine Stilgeschichte schreiben. Politische Bücher sind Kunstwerke wie Gemälde oder Opern. Erlernbar. Erfahrung macht die Meisterin. Und immer spielt der Zufall mit. In Menzels Gemälde „Flötenkonzert“ gibt es einen seltsamen roten Fleck – Vorbote abstrakter Malerei oder schlicht ein unbeabsichtigter Klecks? Egal. Der Gesamteindruck zählt. Und das gilt auch für populäre Bücher.

Skandalös ist nicht, dass jemand gelungene Formulierungen Dritter in seine eigenen Texte einbaut. Skandalös ist höchstens, wenn bei Männern diese Arbeitsweise als „genial“ gefeiert wird, während sie bei Frauen als „Etikettenschwindel“ verunglimpft wird. Dabei sind die wirklichen Hochstapler eben jene akribischen Plagiatsjäger, die mithilfe von Software pseudo-wissenschaftlich nach „Fehlern“ suchen. „Hier irrt Goethe“ ist nicht umsonst ein geflügeltes Wort, um akademische Besserwisserei der Lächerlichkeit preiszugeben. (Den letzten Satz habe ich übrigens mithilfe von Wikipedia formuliert.)

Die Autorin ist Kommunikationsberaterin.

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