Drei von fünf Deutschen (61 Prozent) stehen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov einer Vier-Tage-Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise offen gegenüber.
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Drei von fünf Deutschen (61 Prozent) stehen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov einer Vier-Tage-Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise offen gegenüber.

Vier-Tage-Woche

Lernen aus der Geschichte

  • Günther Moewes
    vonGünther Moewes
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Arbeitszeitverkürzung erhöht den Wohlstand - das fordert nun auch die IG Metall.

Nach John Maynard Keynes, Fritz Vilmar (1977) und Oswald von Nell-Breuning (1985) fordert nun endlich auch die IG Metall die Vier-Tage-Woche. Sofort sind Konservative und Arbeitgeber auf den Barrikaden: Das gefährde Wohlstand und Arbeitsplätze und lasse sich nicht finanzieren. Die Geschichte lehrt das Gegenteil: Nur weil seit 1870 die Wochenarbeitszeit von 68 auf 41 Stunden verkürzt wurde, hat sich der Wohlstand in den Industrieländern so drastisch erhöht. Nur so wurden die Unternehmer gezwungen, die Produktivität zu erhöhen.

Das Gegenteil von Arbeitszeitverkürzung heißt „Arbeitsplätze schaffen“. Man sah nicht, dass das ständig steigende BIP immer mehr von Maschinen verdient wurde. Man glaubte vielmehr, man müsse die Verkürzung ständig durch Erfindung und Beschaffung neuer Arbeit kompensieren. Das Ergebnis waren bis zu 60 Prozent überflüssiger Arbeit: Man blähte den Handel unnötig auf. Der Transportwahn schuf riesige unnötige Verladehäfen, Schiffsvolumina und Verschwendung fossiler Energien. Man förderte den Ferntourismus von zwei Prozent der Weltbevölkerung, produzierte Megatonnen unnötiger Kunststoffverpackungen und Agrargifte, vermüllte Ozeane, vergiftete Böden, verhalf autoritären Regimen zu Weltmachtstatus und brachte so Globus und Klima an den heutigen „Kipppunkt“.

Das war allen recht: Konzerne und Anleger konnten das von den Maschinen unnötig verdiente Geld einstecken. Und für die arbeitenden Bevölkerungen wärmte man die ewig-alte Pharaonen-Lüge auf: „Wenn ihr keine Pyramiden baut, müsst ihr verhungern“. Dass ihr Lebensbedarf und Wohlstand auch ohne Pyramiden, Barockschlösser, Waffen, Ferntransportwahn, Kunststoffverpackungen und Gifte hätte gedeckt werden können, und dass deren vermeidbare Produktion ihren Wohlstand verringerte statt erhöhte, ging ihnen nicht auf. Sie sahen nicht, dass jeder vermeidbare Verladehafen viele notwendige Schulsanierungen verhinderte und jeder unnötige Arbeitsplatz ein Umwelt rettendes Grundeinkommen.

Fazit: Die 4-Tage-Woche ist ein Schritt in die richtige Richtung. Noch richtiger wäre die konsequente Abkoppelung der Existenzsicherung vom Arbeitszwang, die für Kapitalanleger ja längst realisiert wurde. Das dann notwendige Grundeinkommen könnte ja bedingungslos sein, ohne es gleich an Millionäre zu zahlen.

Günther Moewes ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

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