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Nicht jeder Lehrgang sollte im E-Learning-Format stattfinden, mahnt die Expertin für Personalentwicklung Susanne Heinz.

E-Learning in der Weiterbildung

Lernen im Arbeitsprozess

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Die Qualifizierung von Beschäftigten erfolgt zunehmend digital. Doch Unternehmen sollten genau prüfen, wie sinnvoll es ist, alle bisherigen Lern-Formate über Bord zu werfen.

In einigen Unternehmen ist in Sachen Weiterbildung eine gefährliche Entwicklung zu beobachten: Die Qualifizierung von Mitarbeitern führte einst zum Aufbau von regelrechten Vorzeige-Akademien. Inzwischen überlegen viele, diese wieder komplett einzudampfen. Schließlich lernt man ja heute agil. Das bedeutet für viele, es passiert nebenbei und vor allem digital. Zum Teil stimmt das auch, aber eben nur zum Teil. Denn agiles Lernen umfasst eine Reihe weiterer Formate und Lernen hat immer auch eine soziale Komponente. Die Leute nur noch mit ihrem Rechner oder Smartphone lernen zu lassen, missachtet diesen wichtigen und motivierenden Baustein.

Susanne Heinz

Also, bevor wir in den Unternehmen alles über Bord werfen oder hohe Summen in die Digitalisierung aller Weiterbildungsangebote stecken, lohnt sich ein Faktencheck: Welche Themen brauchen auch weiterhin ein „geführtes Miteinander“, einen Blick von außen und praktische Trainingseinheiten? Welches Thema wäre in einem Best-Practice-Zirkel oder einer kollegialen Fallberatung gut aufgehoben und was kann tatsächlich gut individuell und digital oder zumindest in einem Blended-Learning-Format bearbeitet werden? Ganz nach dem Prinzip der Agilität muss das nicht alles auf einmal geschehen. Man kann eine Maßnahme nach der anderen auf ihr „agiles Potenzial“ hin erproben und entsprechend umarbeiten. Sein volles Potenzial kann agiles Lernen nämlich nur entfalten, wenn es klug eingesetzt wird und sowohl Menschen als auch Organisationen damit nicht überfordert werden. Deshalb gilt, wie beim Lernen selbst auch, lieber in kleinen Schritten oder Häppchen ans Ziel als direkt zu viel zu wollen. Das demotiviert nur und dann passiert am Ende gar nichts.

Kommt reines E-Learning für ein Thema infrage, sollten die Rahmenbedingungen dafür unter die Lupe genommen werden. Die tollsten Angebote bringen nichts, wenn sich Mitarbeiter plötzlich vorm Chef oder den Kollegen rechtfertigen müssen, dass sie sich während der Arbeit beispielsweise Videos aus einem Online-Kurs anschauen. Die größte Herausforderung steckt daher nach wie vor nicht in der Digitalisierung von Lerninhalten, sondern darin, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen und eine positive Lernkultur zu kreieren.

Die Autorin ist in der Erwachsenenbildung tätig und Expertin für Personalentwicklung. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Entwicklung von Selbstlernkompetenz im digitalen Zeitalter.

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