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In der Praxis siegen die Beharrungskräfte: Das haben wir ja noch nie gemacht. (Symbolbild)
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In der Praxis siegen die Beharrungskräfte: Das haben wir ja noch nie gemacht. (Symbolbild)

Gastwirtschaft

Leitkultur Starrsinn

  • Claudia Cornelsen
    VonClaudia Cornelsen
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Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft - kann das klappen? Ein Fax voller Zweifel in die Zentrale. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Lieber Chief Transformation Officer, ich mache mir Sorgen. Ganz gleich, ob exponentielle Infektionsraten oder die sich beschleunigende Klimakrise – kluge Köpfe wissen, was zu tun wäre. Die Politik verhandelt und scheitert. Nun hofft die Welt auf die Schwarmintelligenz der Unternehmen. Der Markt regelt das. Geld regiert die Welt. Der Rubel rollt und mit ihm die Veränderung. Hybride Konferenzen, mobiles Arbeiten, agile Prozesse. Wird schon. Denkste.

Denn offenbar waren bereits die Change-Management-Anstrengungen der letzten Jahrzehnte so erfolglos, dass wir jetzt vor einem Modernisierungsjahrzehnt stehen, in dem der Reformstau aufgearbeitet werden soll. Statt von Change reden wir nun von Transformation – in der Hoffnung, dass der neue Begriff irgendetwas ändern würde.

In Unternehmensberatungen kursiert der bittere Satz: „Kultur schlägt Strategie!“ Will sagen: Man kann sich als hochbegabter, hochintelligenter McKinsey-Sprössling noch so viele hochgeniale Lösungen ausdenken; in der Praxis siegen die Beharrungskräfte: Das haben wir ja noch nie gemacht.

Eine Kultur der Veränderung ist ein Widerspruch in sich. Kultur lebt von Tradition. Tradition ist die ewige Wiederholung des Gleichen. Und darin sind die Deutschen besonders gut. Stichwort: Deutsche Industrienorm. Macht alles gleich, seit über hundert Jahren. Wer hier etwas ändern will, muss sich den Weg durch endlose Routinen bahnen.

Bei den Ewiggestrigen weckt schon die Idee eines Umbruchs größte Ängste vor „Umsturz“ oder gar „Umvolkung“. Deren altes Leitmotiv „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“ erwies sich schon in zwei Weltkriegen als Unsinn und wird derzeit erneut nachdrücklich widerlegt: Nirgends in Europa sind die Inzidenzwerte so hoch wie im deutschsprachigen Raum (Österreich und Schweiz sind mitgemeint). Hier genest bald niemand mehr. Doch die deutschen Dichter, Denker und Querdenker sind immun gegen Infiltrationen der Wissenschaft und verwechseln Vernunft mit Engstirnigkeit. Sie schreien „Freiheit“ und meinen in Wahrheit „Gewohnheit“.

Wie kann in solchem Starrsinn auch nur in einem einzigen Dax-40-Unternehmen eine öko-soziale Transformation gelingen? Das frage ich Sie und bin gespannt auf Ihre Antwort. Ich sende dieses Schreiben per Fax, damit es Sie sicher und schnellstmöglich erreicht. Mit freundlichen Grüßen, Claudia Cornelsen.

Die Autorin ist Kommunikationsberaterin.

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