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Langsam herantasten

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Von: Silke Grotegut

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Die Präsentation in Sozialen Netzwerken ist wichtiger geworden.
Die Präsentation in Sozialen Netzwerken ist wichtiger geworden. © Imago/Rüdiger Wölk

Gute Profile in beruflichen Netzwerken gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei gilt es mutig zu sein. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Personal Branding wird immer wichtiger – für den Ausbau des persönlichen Netzwerks, für die Karriere oder die Kundengewinnung. Das bedeutet vor allem, seine einzigartige Mischung aus Kompetenzen, Persönlichkeit und Werten nach außen zu kommunizieren. Dafür bieten sich heutzutage vor allem Soziale (Business) Netzwerke an. Was vielen allerdings im Weg steht, ihr Potenzial für sich zu nutzen, ist die Angst vor der eigenen Sichtbarkeit. Die Lösung: langsam herantasten. Erst einmal überlegen, wie sichtbar man überhaupt sein will oder muss, um seine Ziele zu erreichen. Sich bloß nicht mit Elon Musk vergleichen und entscheiden, wofür man stehen möchte.

Falsche Bescheidenheit im eigenen Profil ist das Erste, das man und vor allem Frau ablegen sollte. Oft ist uns gar nicht bewusst, wie viele Qualifikationen und Erfahrungen wir bereits gesammelt haben – selbst in Nebenjobs. Eine kurze Beschreibung, welche Fähigkeiten wir wo erlangt oder eingesetzt haben, bietet anderen viel mehr Anknüpfungspunkte als die reine Jobbezeichnung.

Wer langsam starten will, kann sich erst einmal nur mit Familie, Freunden und direkten Kolleginnen und Kollegen vernetzen. Sich erst einmal umzuschauen, was andere teilen, ist eine gute Strategie. Sich dann aber auch langsam trauen, Beiträge zu liken oder zu kommentieren. Da nur knapp fünf Prozent aller Linkedin-Mitglieder tatsächlich selbst Inhalte produzieren, ist die Chance, dort aufzufallen und im Gedächtnis zu bleiben, noch riesig. Der erste Post ist immer der schwerste und der eigene Perfektionismus dabei meistens im Weg: Andere interessiert das nicht, wissen das schon oder sogar mehr. Es herrscht die Angst vor Blamage oder sogar einem Shitstorm. Dabei kann man in einen Beitrag nie das ganze Wissen packen und wenn andere mehr wissen, wunderbar! Dann hat man potenzielle Diskussionspartner, die die eigene Reichweite erhöhen.

Wer allerdings noch kleiner starten will, kann sich auch erst einmal intern positionieren: beispielsweise Workshops im eigenen Unternehmen anbieten. Angst ist viel mehr angebracht, wenn wir nicht selbstbestimmt unsere Themen nach außen kommunizieren. Dann haben andere die Kontrolle darüber, welches Bild sie von uns zeichnen, und wir landen schnell in Schubladen, in die wir nicht hineingehören.

Die Autorin war Personalerin bei der Deutschen Telekom. Seit 2015 unterstützt sie als Bewerbungs- und Karriere- beraterin Menschen bei ihrer beruflichen Neuorientierung.

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