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Ex-Bundesbankchef Jens Weidmann.
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Ex-Bundesbankchef Jens Weidmann.

Bundesbank

Kunst oder Wissenschaft?

  • Carsten Brzeski
    VonCarsten Brzeski
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Was es an der Spitze der Bundesbank braucht. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die Spekulationen über die möglichen „wahren“ Gründe seines Rücktritts werden wohl erst verstummen, wenn Noch-Bundesbankpräsident Jens Weidmann sie irgendwann selbst erzählt. Bis dahin kann man nur vermuten, dass ganz menschliche Gründe eine Rolle gespielt haben werden. Wie z.B.: ausgepowert nach eineinhalb Jahrzehnten Arbeit im Auge des Sturms, Lust auf Neues oder Frustration wegen nicht immer kollegialer Kollegen. Noch wichtiger als die Frage nach dem Warum ist aber die Frage: Und nun?

Die Namen potenzieller Nachfolger kursieren natürlich schon. Dabei sind die Rufe „Deutschland braucht weiterhin einen starken Mahner gegen die Geldentwertung“ aber auch „Deutschland muss sich endlich weniger kritisch im Rat der Europäischen Zentralbank aufstellen“ nicht zu überhören. Die EZB und die Bundesbank brauchen aber keinen weiteren Dogmatiker. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Davon gibt und gab es schon zu viele.

Die Bundesbank braucht auch keinen Präsidenten oder keine Präsidentin, der oder die ständig Entscheidungen der EZB öffentlich kritisiert und sich damit selbst ins Abseits stellt und grollend das Handtuch wirft. Ein solcher war Jens Weidmann zum Glück nicht. Die Bundesbank braucht aber auch keinen Präsidenten, der die wirtschaftliche Wahrheit in komplizierten Modellen sucht, wenn sich Wirtschaft und EZB in einer noch nie dagewesenen Situation von Pandemie und Post-Lockdowns befinden. Eine Situation, die einfach von keinen Modellen abgebildet werden kann. Davon gibt es aktuell bei der EZB einige Vertreter, wodurch die aktuelle Inflationsentwicklung strukturell unterschätzt wurde.

Der nächste Bundesbankpräsident sollte in der Lage sein, flexibel und pragmatisch zu denken und das immer wieder unter der Prämisse, dass niemand die einzig wahre Glaskugel in der Hand hält. Bei der Wahl des Nachfolgers oder der Nachfolgerin von Jens Weidmann sollte man daher parteipolitische Linien und einfache Kategorien wie „für“ oder „gegen“ die aktuelle EZB-Politik weglassen. Die Bundesbank ist nur noch eine von vielen Notenbanken. Weder Krawall- noch Schmusekurs sind der richtige Weg, sondern viel Fingerspitzengefühl. Wie sagte Alan Blinder, ein ehemaliger Vize-Vorsitzenden der US-Notenbank: Geldpolitik ist mehr Kunst als Wissenschaft.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

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