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EZB-Chefin Christine Lagarde während einer Videokonferenz mit dem Europäischen Parlament.
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EZB-Chefin Christine Lagarde während einer Videokonferenz mit dem Europäischen Parlament.

Geldpolitik

Kunst der Worte

  • Carsten Brzeski
    VonCarsten Brzeski
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In der Welt der Notenbanken gilt das Motto, dass Geldpolitik mehr Kunst als Wissenschaft ist. Am Donnerstag werden wir hören, ob EZB-Chefin Christine Lagarde, das verinnerlicht hat. Die Gastwirtschaft.

Als Christine Lagarde im November 2019 ihr Amt an der Spitze der EZB als Nachfolgerin von Mario Draghi antrat, eilte ihr der Ruf einer ausgezeichneten Kommunikatorin voraus. Dieser Ruf nahm in den ersten Monaten der Coronakrise durch einige ungeschickte Aussagen allerdings deutlichen Schaden. Am Donnerstag hat Christine Lagarde jetzt die große Gelegenheit, den Ruf wieder aufzupolieren.

Eigentlich hofft die EZB innigst darauf, dass sie ihren Job schon im Dezember erledigt hat. Damals wurde dafür gesorgt, dass das Niveau geldpolitischer Lockerung bis zum Frühjahr 2022 fortgesetzt wird. In der Hoffnung auf Herdenimmunität in Europa vor Ende 2021, geht die EZB davon aus, dass sie ihre lockere Geldpolitik dann wieder etwas zurückfahren kann. Auch wenn es aktuell gar nicht nach Herdenimmunität oder Lockerungen jeglicher Art aussieht, die EZB möchte die kommenden Monate lieber an der Seitenlinie als auf dem Feld der weiteren Krisenbekämpfung verbringen. Wenn Virus und Lockdowns den wirtschaftlichen Schaden erhöhen, müssen Regierungen einschreiten, nicht die Notenbank.

Daher wird es dieses Jahr nur eine wirtschaftliche Entwicklung geben, die die EZB zurück aufs Feld holen könnte: den erstarkten Euro. Eine weitere Aufwertung gefährden Konjunkturaufschwung und Inflationsziele. Daher könnte die EZB doch noch mal zu geldpolitischer Lockerung zum Beispiel in der Form einer Zinssenkung gezwungen sein.

Soweit ist es allerdings noch nicht. In der Welt der Notenbanken gilt aber das Motto, dass Geldpolitik mehr Kunst als Wissenschaft ist. Es geht nicht immer nur um Taten, sondern auch um Worte. Türen offen halten, die richtigen Schlüsselwörter benutzen, ohne dabei Wirtschaftsakteure und Finanzmärkte kalt zu erwischen.

Im vergangenen Jahr hatte Christine Lagarde noch negativ überrascht, als sie im März sagte, dass es nicht Aufgabe der EZB war, Zinsunterschiede zwischen Ländern kleinzuhalten und dass sie selbst kein Interesse an einem persönlichen ‚whatever it takes‘-Moment hatte. Im September war der stärkere Euro noch kein Problem. Aussagen, die kurze Zeit später von anderen EZB-Mitglieder einkassiert und verbessert wurden.

Nach EZB Treffen ohne geldpolitische Entscheidungen wiegen die Worte der Präsidentin noch schwerer. Am Donnerstag werden wir wissen, ob Christine Lagarde die Kunst der Notenbank-Kommunikation verinnerlicht hat.

Carsten Brzeski ist Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

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