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Wer will Michelangelo vorrechnen, dass Sixtinische Kapelle und Peterskuppel nur mit einer der übelsten Finanzierungslügen der Geschichte möglich wurden?

GASTWIRTSCHAFT

Kreiert Bauen Armut?

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Was Mietendeckel mit dem Schloss von Versailles zu tun haben. Die Gastwirtschaft.

Wieso gibt es Wohnungsnot und Mietendeckel in einem so reichen Land? Zum einen wegen früherer Entschuldungsverkäufe klammer Kommunen. Zum anderen wegen der Nebenwirkungen von Mario Draghis erfolgreicher Euro-Rettung: Nullzins, Geldschwemme und falsche Verteilungspolitik heizen nicht nur den Klimawandel an. Sie erzeugen auch Flucht in Betongold und dadurch Höchstmieten.

In London stehen Tausende Luxuswohnungen leer, weil ihre Milliardärskäufer nicht auf Mieten angewiesen sind. Superreichtum ohne Verteilungspolitik erzeugt seit je Verarmung. Der Bau des Schlosses von Versailles hat seinerzeit eine der größten Hungersnöte Frankreichs ausgelöst. Das rief nicht etwa Kritik hervor, sondern einen Protzwettbewerb in Potsdam, Petersburg, Wien und Neuschwanstein. Mit Dauerleerstand Tausender Zimmer.

Das alles wird heute als Hochkultur verehrt und mit Milliarden unterhalten oder gar rekonstruiert. Die Rekonstruktion des Dresdener Schlosses mit „Paraderäumen“ und „Grünem Gewölbe“ kostete 380 Millionen Euro und erzeugte so zweimal Armut: damals und heute.

Wer möchte schon den Kunsttitanen Michelangelo missen? Wer will ihm vorrechnen, dass Sixtinische Kapelle und Peterskuppel nur mit einer der übelsten Finanzierungslügen der Geschichte möglich wurden? Aber könnte man dann nicht wenigstens die teuer unterhaltenen Geschichtsdenkmäler als Lernobjekte nutzen, um vorzuführen, wie Hochkultur Armut erzeugt? Dabei haben Schulen, Hochschulen, Museen und Baugeschichte auf schauerliche Weise versagt.

Ist also alle Hochkultur stets nur aus Bevölkerungsarmut entstanden? Mitnichten. Fachwerkstädte, Italiens Bergdörfer, Wiener Wohnungsbau – bis vor 80 Jahren war Wohnungsbau lebendiger Beweis dafür, dass Hochkultur nicht aus Armut entstehen muss, sondern sie sogar überwindet. Selbst Zilles Hinterhöfe sind heute angesagte Szeneviertel. „Profanbau“ nannte das die Baugeschichte verächtlich und feierte stattdessen das höfische und sakrale Bauen.

Und heute? Raum-, himmelsrichtungs- und bauphysikwidrige Glas-Geld-Spargel in New York, Hongkong, Shanghai und Frankfurt. Klimanotstand und Armut gleichzeitig. Und wegen des Mietendeckels wollen die Wohnkonzerne die Bundesrichter anrufen. Ob die wohl die Zusammenhänge durchschauen?

Der Autor ist Verteilungskritiker und emeritierter Professor für die Industrialisierung des Bauens.

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