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Kommt jetzt die DDD-Inflation?

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Von: Carsten Brzeski

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„It’s the end of the world as we know it“: Der Song von R.E.M. hat auch 35 Jahre nach der Gründung der US-Band nichts an Aktualität verloren. Sicherlich nicht für die Europäische Zentralbank.
„It’s the end of the world as we know it“: Der Song von R.E.M. hat auch 35 Jahre nach der Gründung der US-Band nichts an Aktualität verloren. Sicherlich nicht für die Europäische Zentralbank. © Mark Mainz/afp (Archiv)

Vielleicht sehen wir gerade das Ende der Zeiten, in denen Notenbanken die Inflationsraten einfach steuern konnten. Diese Einsicht gäbe der EZB die Chance, sich noch mehr auf Krisenbekämpfung und Finanzstabilität zu richten.

Der Song „It’s the end of the world as we know it“ der US- Rockband R.E.M. feiert dieses Jahr 35. Geburtstag. An Aktualität hat er definitiv nicht verloren. Sicherlich nicht für die Europäische Zentralbank.

Die höchsten Inflationsraten seit Anfang der 1990er Jahre und die große Frage, wie viel von dieser Inflation nun „nur“ vorübergehend und pandemiebedingt, beschäftigt Experten, Notenbanker und Otto Normalverbraucher schon seit Monaten. Diese Diskussion wird noch eine Weile weitergehen. Unternehmer werden gestiegene Erzeugerpreise auch in den kommenden Monaten an Endverbraucher weitergeben und die Auswirkungen der Pandemie werden wohl erst zum Jahresende langsam verschwinden. Damit sollte auch die aktuelle Inflationswelle abklingen.

Doch was kommt danach? Erste Anzeichen dafür kann man jetzt schon sehen. Der demografische Wandel und eine Regionalisierung von Lieferketten erhöht den Fachkräftemangel und öffnet die Tür für höhere Löhne. Wenn Arbeitsplätze nicht wegrationalisiert oder durch Algorithmen und Roboter ersetzt werden. Die notwendigen Investitionen für die grüne Transformation könnten nicht nur kurzfristig die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen erhöhen, sondern auch strukturell die nach anderen Rohstoffen nach oben schießen lassen. Wie soll man ansonsten Windparks, E-Autos oder Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge bauen? Uns könnte eine DDD-Inflation erwarten: Inflation, strukturell getrieben von Demografie, Deglobalisierung und Dekarbonisierung. Solch eine DDD-Inflation würde die EZB vor ein ganz neues Dilemma stellen. Zinserhöhungen würden die drei Ds nämlich nicht zähmen können. Im Gegenteil, Zinserhöhungen könnten die nötig Transformation der Wirtschaft erschweren. Und so wie die EZB spätestens seit der Eurokrise mit mäßigem Erfolg eine Deflation jagte, die vor allem durch externe Faktoren (Globalisierung, Digitalisierung und Sparpolitik) verursacht wurde, könnte die Bekämpfung der DDD-Inflation ein aussichtsloses Unterfangen werden.

Vielleicht sehen wir gerade das Ende der Zeiten, in denen Notenbanken die Inflationsraten einfach steuern konnten. Diese Einsicht gäbe der EZB die Chance, sich noch mehr auf Krisenbekämpfung und Finanzstabilität zu richten. Wie R.E.M. schon sang: „It’s the end of the world as we know ... and I feel fine“.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

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