Am Kindergarten Pinocchio in Magdeburg wurde für kleine Kinder ein Spiel ins Leben gerufen. Es sollen Steine bemalt werden, die dann zu einer immer länger werdenden Schlange werden. Die Steine sollen den Spaziergängern in Corona-Zeiten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Mittlerweile ist die Schlange durch die hingelegten Steine der Kinder immer mehr gewachsen.
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Werden wir die Corona-Krise als Chance nutzen?

Gastwirtschaft

Kollektiv handeln

  • Roland Süß
    vonRoland Süß
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Strukturelle Krisen erfordern ein neues Wir.

Eine Frage wird in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt: Werden wir die Corona-Krise als Chance nutzen? Wir, also Sie und ich, werden wir sie nutzen? Aber wer trug die Verantwortung, dass in der Vergangenheit die Chancen eben nicht genutzt wurden. Haben „wir“ als Individuen nicht genug Eigenverantwortung übernommen? Ist das so? Erreichen wir durch Änderung unseres individuellen Verhaltens eine Wirtschaft ohne permanentes Wachstum und können damit die Erderwärmung stoppen?

Blicken wir zurück: 1988 fand in Toronto die erste Weltklimakonferenz statt. Im gleichen Jahr hielt der UN-Klimarat seine erste Sitzung ab. Die Wissenschaft machte deutlich, die Erderwärmung ist auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Ein weltweites Klimaabkommen, mit dem die notwendigen Maßnahmen ergriffen würden, um die Emissionen zu senken, schien vor dem Abschluss.

Doch es kam wie die vergangenen 30 Jahre gezeigt haben anders, es wurde nicht ernsthaft das getan, was notwendig gewesen wäre, um die Emissionen zu reduzieren. Vor allem, weil es im fundamentalen Widerspruch zu den Interessen von Ölkonzernen wie Exxon und anderen Fossilunternehmen stand. Sie saßen bei wichtigen Treffen mit am Tisch und organisierten Desinformationskampagnen.

Die politisch Verantwortlichen waren nicht bereit, dem etwas entgegenzusetzen. Es war die Hochzeit des globalen deregulierten Kapitalismus mit neoliberaler Ausprägung. Der Verwertungszwang des Kapitals und mit ihm das politische Streben nach Wachstum und Profit um jeden Preis ignorierte ökologische und ethische Grenzen. Die Politik hat sie nicht eingefordert, sich vor ihrer Verantwortung gedrückt.

Corona-Krise und Klimawandel haben gezeigt, wie wir alle miteinander verbunden sind. Soziale Bewegungen stehen heute weltweit für ein gemeinsames kollektives Wir, indem wir uns aufeinander beziehen, Verbindungen herstellen und Zusammenhänge zwischen Ungleichheit, Rassismus und Zerstörung der Umwelt und des Klimas deutlich machen.

Für strukturelle Krisen werden gemeinsam integrierende Lösungen gesucht. Es ist eine Bewegung, die in Fürsorge für den Planeten und füreinander das Öffentliche stärkt und die alte Machtstrukturen einer Wirtschaft, die auf Profitmaximierung ausgerichtet ist, nicht mehr akzeptiert.

Der Autor ist Handelsexperte des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac.

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