+
Würde man endlich die externen Kosten (und extremen Schäden) des Flugverkehrs einpreisen, gäbe es keine Dumping-Preise mehr.

Gastwirtschaft

Schluss mit der Fliegerei zu Dumping-Preisen

  • schließen

Würde man endlich die externen Kosten (und extremen Schäden) des Flugverkehrs einpreisen, gäbe es keine Dumping-Preise mehr. Ein erster Schritt könnte sein, die Steuerprivilegien für Kerosin abzuschaffen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ der FR.

Neulich im Zug: nettes Gespräch mit einer Mitreisenden. Wohin geht’s? Sie ist auf dem Weg zum Flughafen und fliegt nach Vancouver. Ich fahre mit dem Zug nach London. Ach, wie lustig: Sie braucht nach Vancouver ebenso lange wie ich nach London. Nicht mehr lustig: Wir beide zahlen rund 400 Euro für die Reise.

Da muss man schon wackere Klimaschützerin sein (und vom Arbeitgeber zum Verzicht aufs Fliegen ermuntert), um das noch fair zu finden. Zumal es auch einen Flug nach London für 20 Euro gegeben hätte.

Es ist doch absurd: Einerseits wurde die Europawahl zur Klimawahl, gingen 320 000 junge Menschen allein in Deutschland für mehr Klimaschutz auf die Straße. Andererseits steigen die Passagierzahlen im Luftverkehr immer weiter. Doch jedes vermeintliche Superschnäppchen für den Kurzurlaub in Dubai oder den Shopping-Trip nach Barcelona ist ein Sargnagel fürs Klima.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Lisa Reichmann, Teamleiterin bei Campact.

Was also tun? Würde man endlich die externen Kosten (und extremen Schäden) des Flugverkehrs einpreisen, gäbe es keine Dumping-Preise mehr. Ein erster Schritt könnte sein, die Steuerprivilegien für Kerosin abzuschaffen – eine Idee, die im EU-Wahlkampf plötzlich Unterstützung von beiden Spitzenkandidaten für den Kommissionsvorsitz bekam.

Diskussionen darüber gibt es schon seit dem G 8-Gipfel 2007. Passiert ist wenig: Die Steuerfreiheit hatte laut Bundesregierung 2018 einen Wert von 570 Millionen Euro. Was eine generelle Abschaffung der Subvention für Flugbenzin bringen würde: Ohne den Bonus würde der Flugsprit teurer. Die Ticketpreise könnten nach einer Untersuchung der NGO „Transport and Environment“ im Schnitt um rund zehn Prozent steigen. Der Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn würde attraktiver.

Ein Ende der Steuerfreiheit könnte also ein wichtiger Baustein sein, um die Erderhitzung unterhalb der kritischen Grenze von 1,5 Grad zu halten. Und die EU hätte nach den Klima-Wahlen allen Grund, das Projekt endlich anzugehen. So würde die Verantwortung für den Klimaschutz nicht länger dem Gewissen jedes und jeder Einzelnen aufgebürdet.

Um Verhalten zu verändern, braucht es eine kluge Kombination aus Einsicht und Lenkung. Nur dann werden die Emissionen wirklich sinken. Dann kann ich im Zug wirklich mein gutes Gewissen genießen – und mit Mitreisenden weiter herzlich lachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare