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Verändertes Verhalten allein reicht nicht: Die Deutschen essen immer weniger Fleisch - und doch wird immer mehr Fleisch produziert.

Klimakrise

Wie wir die Welt verändern

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Seit die Jugendbewegung Fridays for Future die Klimakrise in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rückte, glauben viele, dass sich das große Ganze ändert, wenn die Einzelnen anders leben. Da ist was dran - doch es bleibt ein Wermutstropfen.

Sei Du die Veränderung, die Du auf der Erde sehen willst.“ Dieser Satz, der dem indischen Freiheitshelden Mahatma Gandhi zugeschrieben wird, steht derzeit hoch im Kurs. Seit die Jugendbewegung Fridays for Future die Klimakrise in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rückte, glauben viele, dass sich das große Ganze ändert, wenn die Einzelnen anders leben.

Da ist natürlich etwas dran: Wenn möglichst viele weniger Auto fahren, weniger fliegen, auf die Bahn umsteigen, mehr Bioprodukte kaufen, Ökostrom beziehen oder ihr Geld nachhaltig anlegen, leisten sie ihren Beitrag zum Klimaschutz.

Vieles können Einzelne nur indirekt beeinflussen

Dennoch bleibt ein Wermutstropfen. So wichtig es ist, sein Leben nachhaltig umzustellen – es reicht nicht aus, um das große Ganze zu verändern. Zum einen würde es sehr lange dauern. Selbst wenn plötzlich doppelt so viele Bioprodukte gekauft würden wie heute, stiege ihr Marktanteil gerade einmal auf 15 Prozent.

Wolfgang Kessler.

Und manches Engagement scheitert einfach an den Spielregeln der Politik. Obwohl die Deutschen immer weniger Fleisch essen, hat die Fleischproduktion ebenso zugenommen wie die Massentierhaltung, weil die Politik diese fördert. Bestimmte Ziele können die Einzelnen nur indirekt beeinflussen. So entscheidet die Verkehrspolitik darüber, wie viel Geld in Bahn, Radwege oder in Straßen fließt – und nicht die Zahl der Bahnkunden oder Radfahrer.

Es braucht eine andere Politik

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Heute: Wolfgang Kessler, Wirtschaftspublizist. Von ihm erschien gerade das Buch „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern“ (Publik-Forum-Verlag).

Wenn das große Ganze verändert werden soll, braucht es eine andere Politik – und mehr politisches Engagement der Einzelnen für diese andere Politik. Nur wenn Entwicklungen politisch belohnt und gefördert werden, die das Klima schützen, setzen sich diese flächendeckend durch. Erst wenn verteuert, eingeschränkt oder verboten wird, was das Klima aufheizt, wird Klimaschutz erfolgreich.

Lag Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi mit seinem Glauben an die Veränderung des Ganzen durch die vielen Einzelnen also falsch? Die Antwort: Nein. Denn nur wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger limabewusst leben, zeigen sie, dass sie selbst zu jenen Veränderungen bereit sind, die sie von der Politik erwarten.

Und dann hat die Politik keine Ausreden mehr, das zu tun, was dringend geboten ist.

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