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Reparieren statt wegwerfen - mit diesem Konzept wäre schon mal viel gewonnen.

Konsum

Wer das Klima retten will, muss die Wirtschaft schrumpfen

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Unser Kolumnist fordert ein Ende der Wachstumsfixierung - weil wir auf einem begrenzten Planeten leben. Die Wirtschaftskolumne.

Das Ausmaß der Klimakatastrophe rückt immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. In der Politik und den Wirtschaftswissenschaften wird jedoch fast ausschließlich über altbekannte Konzepte wie eine CO2-Steuer oder die Förderung von Elektroautos sowie die Energiewende diskutiert. 

Über richtungsweisende Maßnahmen zu sprechen, welche die Menschen in ihrem Konsum, ihrer Mobilität oder anderen vermeintlichen Freiheiten einschränken könnten, scheint in der heutigen politischen Landschaft nicht möglich zu sein. Dabei sollte uns bewusst sein, dass das Festhalten an unserem Lebensstil die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen einschränkt oder sogar zerstört.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Felix Roll vom Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

Um das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen zu können, muss es zu einem radikalen Wandel unserer Wirtschaftsweise kommen. Da wir es nicht schaffen, das Wirtschaftswachstum vom CO2-Ausstoß und sonstigem Verbrauch natürlicher Ressourcen zu entkoppeln, ist das nur durch ein Ende der Wachstumsfixierung und eine Schrumpfung der Industrie und des BIPs auf ein ökologisch verträgliches Niveau möglich. Wir leben auf einem begrenzten Planeten, auf welchem unendliches Wachstum schlichtweg unmöglich ist.

Eine Schrumpfung der Wirtschaft sollte hierbei auf keinem Fall mit einer niedrigeren Lebensqualität oder weniger Wohlstand verwechselt werden. Durch verstärkte gemeinschaftliche Nutzung, eigenständige Reparaturen zur Verlängerung von Nutzungsdauern und den Verzicht auf überflüssigen Luxus können wir durch weniger Konsum sogar eine höhere Lebensqualität erreichen.

Dazu tragen vor allem eine Verringerung des durch Konsumzwänge ausgelösten Stresses und eine Stärkung der sozialen Beziehungen und Gemeinschaften bei. Der Staat sollte diesen Prozess aktiv unterstützen. Zum Beispiel durch eine umfangreiche Arbeitszeitverkürzung, welche zum einen Arbeitslosigkeit verringert und zum anderen den Menschen Zeit zur Verfügung stellt, die für Gemeinschaftsprojekte, Sorgearbeit und einen genügsamen Lebensstil genutzt werden kann.

Es ist höchste Zeit, über eine tiefgreifende Transformation unserer Wirtschaftsweise zu sprechen und bei uns selbst anzufangen. Die Postwachstumsökonomik liefert praktische und theoretische Konzepte, wie eine Transformation auf individueller und politischer Ebene sozial, inklusiv und kontrolliert ablaufen kann.

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