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Politik in der Klimakrise: Zwischen Enttäuschung und Radikalisierung

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Von: Nina Treu

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Kleben wir uns auf die Straße, oder kleben wir an den Verhältnissen?
Kleben wir uns auf die Straße, oder kleben wir an den Verhältnissen? © Lennart Preiss/dpa

Wie sieht angemessener Protest gegen Klimapolitik aus? Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Frankfurt – Die Welt schlittert immer tiefer in die Klimakatastrophe. Die Emissionen steigen weltweit – daran konnte auch die 27. Weltklimakonferenz (COP) nichts ändern. Seit Beginn der internationalen Klimapolitik 1992 ist der CO2-Anteil in der Atmosphäre von unter 360ppm (parts per million) auf knapp 420ppm gestiegen.

Die Wahrscheinlichkeit, die 1,5-Grad-Grenze zu reißen, steigt. Um dies zu verhindern, müssen die durchschnittlichen Emissionen pro Kopf auf jährlich unter eine Tonne CO2 reduziert werden. Dafür müssen wir aus den fossilen Energien aussteigen. Dies gelingt mit der aktuellen Politik nicht. Wir verbrennen mehr Gas und Öl denn je – und die Konzerne haben Pläne und Konzessionen, noch lange weiterzumachen.

Politik der Klimakrise radikalisiert die Bevölkerung

Darum stellt sich die Frage: Was tun? Was können Sie, ich, jede:r Einzelne tun, um die kommende Klimakatastrophe aufzuhalten? Die Antwort ist schwierig. Die meisten Menschen haben kein klares Bild davon, wie politischer Wandel funktioniert – und erst recht nicht die Macht, diesen voranzutreiben.

Sie hoffen, durch eine Stimme bei Wahlen für eine bestimmte Partei ihren Einfluss geltend zu machen. Um dann festzustellen, dass die Parteien in Koalitionen und aufgrund äußerer, auch wirtschaftlicher Zwänge nicht so handeln wie gewünscht. Viele Menschen sind also – zu Recht – enttäuscht von der Politik. Sie suchen nach eigenen Lösungen, politisieren und ja, radikalisieren sich.

Klimakatastrophe: Was können wir tun?

Wenn die Kluft zwischen dem, was nötig ist, und dem, was getan wird, so erschreckend groß ist wie bei der Klimakrise – was erscheint dann noch angemessen? Wie können Menschen, die erkannt haben, dass die nächsten Jahre entscheidend, sie aber weit weg von Machtpositionen sind, richtig handeln?

Ich verstehe, warum Menschen zu Aktivist:innen werden. Ich kann die Verzweiflung über die Lücke zwischen Wissen und Handeln im Bezug auf die Klimakrise nachfühlen und verstehe die Entscheidung, Gefühle wie Angst, Wut und Verzweiflung auf die Straßen und in Museen zu tragen. Sie sind friedlich, sie setzen ihren eigenen Körper ein und sie wollen die Gesellschaft aufrütteln. Anstatt sie zu verurteilen, sollten wir ihnen zuhören und selbst Handeln. Denn zugespitzt stellt sich die Frage: Kleben wir uns auf die Straße oder kleben wir an den Verhältnissen? (Nina Treu)

Die Autorin ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie und arbeitet seit zehn Jahren zu Fragen des sozial-ökologischen Umbaus.

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